Zwischen Landschaftspflege, Landwirtschaft und Luftfahrt: Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen am Albrecht-Dürer-Airport Nürnberg

Umweltschutz am Flughafen endet am Albrecht-Dürer-Airport Nürnberg nicht am Geländezaun und auch nicht mit dem Erreichen bestimmter Ziele. An der Nachhaltigkeit wird seit rund 20 Jahren kontinuierlich gearbeitet – deswegen gibt es auch kein Konzept im Sinne eines einmalig aufgestellten und abzuarbeitender Maßnahmenkatalogs. Umso vielfältiger und umfassender sind die Projekte von Elektromobilität bis Renaturierung. Bis 2050 will der Flughafen CO2-neutral sein.
Vor wenigen Wochen hat der Flughafen sein erstes Pushback-Fahrzeug mit Elektroantrieb in Dienst gestellt. Bereits vor einem Jahr, im März 2019, machte NUE von sich reden, als er als erster Flughafen in Deutschland seine Schlepperflotte für Gepäck- und Frachttransporte komplett auf E-Mobilität umstellte. Die sechs Fahrzeuge aus dem Hause Jungheinrich können bis zu 28 Tonnen ziehen. Damit ist das Paket der E-Mobilität fast komplett, denn auch die Fahrzeuge, die zur Flugzeugabfertigung, Reinigung und Operations auf dem Vorfeld eingesetzt werden, sind elektrisch betrieben.

Elektromobilität ist ein wichtiger, aber keinesfalls einziger Baustein auf dem Weg zur CO2-Neutralität, die NUE für 2050 anstrebt. Seit mehr als 20 Jahren setzt der Airport konsequent Maßnahmen für einen nachhaltigen Flughafenbetrieb um. Ein langfristig umzusetzendes Gesamtkonzept wurde dabei nicht entwickelt, sondern im Laufe der Zeit kristallisierten sich immer wieder neue Aufgabenfelder heraus.

Die elektrische Schlepperflotte am Flughafen Nürnberg wurde vor einem Jahr in Betrieb genommen.
CO2 einzusparen heißt Energie einzusparen oder sie CO2-neutral zu erzeugen. Der Flughafen Nürnberg macht beides. Seit zwei Jahren wird hier konsequent auf Ökostrom gesetzt und zum Teil auch selbst erzeugt. So wurden auf drei Flugzeughallen Photovoltaikanlagen installiert, die 2019 insgesamt 234,3 MWh Strom erzeugten. Insgesamt hatte der Flughafen 2019 einen Bedarf von 19 GWh. Energie-Einsparpotenzial hat NUE ebenfalls ermittelt: „Durch die Umrüstung der Parkhausbeleuchtung auf LED-Leuchtmittel, die sukzessive erfolgte, können 1,6 Mio. kWh Strom eingespart werden“, erläutert Pressesprecher Jan Beinßen. Für diese Maßnahme wurden in den drei Parkhäusern knapp 4.000 Leuchten (inklusive des Parkhausvorplatzes) ausgetauscht.

Die Landwirtschaft als Partner

Bei der Wärmeversorgung erhält NUE Unterstützung aus der Nachbarschaft: Landwirt Peter Scherzer beliefert den Flughafen mit Fernwärme aus seinem Hackschnitzel-Heizkraftwerk, das somit nicht nur seine Gewächshäuser, sondern auch Teile des Flughafens beheizt. Die gelieferte Wärmemenge kann bis zu 4300 Kilowatt betragen, was dem Bedarf von 360 Einfamilienhäuser entspricht. Den übrigen Bedarf deckt der Airport durch Erdgas zu etwa 90%, für Bedarfsspitzen wird Heizöl eingesetzt. Dabei kommt auch Wärmerückgewinnung zum Tragen. Der TÜV Bayern und die Gewerbeaufsicht Nürnberg bestätigen regelmäßig, dass die Schadstoffemissionen weit unter den zulässigen Grenzwerten liegen. Schon seit 2003 setzt der Airport – als einer der ersten Flughäfen in Deutschland – Bienenvölker für ein Biomonitoring ein. Deren Honig wird auf Schadstoffe untersucht. Auch hier werden die Grenzwerte eingehalten.

Infokasten:
Die Mitglieder Arbeitsgemeinschaft Deutscher Flughäfen (ADV) haben bereits 2009 eine gemeinsame Strategie für den Klimaschutz entwickelt. In der ADV tauschen sich die Flughäfen regelmäßig über die besten Maßnahmen aus und kommen so zu ähnlichen Erfolgen. Von 2010 bis 2018 haben die ADV-Flughäfen die CO2-Emissionen um 24% verringert. Bis 2030 streben sie eine gemeinsame CO2-Reduktion von 50 % an, bis 2050 sollen die CO2-Emissionen bei Null liegen.

Der Flughafen Nürnberg hat auch die Bewirtschaftung seiner Grasflächen an der Startbahn umgestellt. Lange Zeit mähten und verfütterten Landwirte aus der Nachbarschaft das Gras. Die Umweltabteilung des Flughafens wandelt diese Flächen nun in Sandmagerflächen um. Dies geschieht durch Verzicht auf Düngung, Humusabtrag und Sandeintrag und Mahd bis auf eine Resthöhe von 20 Zentimetern. Das gemähte Gras wird weiterhin verfüttert oder einer Biogasanlage zugeführt. Die vorhandenen Heidepflanzen werden weiter auseinandergesetzt, damit sie sich weiter ausbreiten können. Mit diesen Maßnahmen wird nicht nur Lebensraum für seltene Pflanzen und Insekten geschaffen, sondern die Aufenthaltsqualität für Vögel verringert – und damit das Vogelschlagrisiko.

Umweltschutz endet aber nicht am Flughafenzaun. Mit der Renaturierung des Bucher Landgrabens hat der Airport die größte Grünfläche Nürnbergs in jüngerer Zeit geschaffen – im Sinne eines fließenden Übergangs von Flughafen zum landwirtschaftlich geprägten Umfeld. Es wurde ein Wald angelegt, der mit neuen Fuß- und Radwegen durchzogen ist.

Der Airport nutzt bereits seit 2003 Honigbienen für sein Bio-Monitoring: Aus der Analyse des Honigs lässt sich die Schadstoffbelastung der Umgebung ableiten.

Abfallberatung für Mitarbeiter und Mieter

Den Nachhaltigkeitsgedanken in einem Betrieb umzusetzen, geht immer nur zusammen mit den Menschen. Deswegen hält der Airport auch Mitarbeiter, Mieter, Passagiere und Besucher an, sich umweltfreundlich zu verhalten. Dies beginnt mit der Mülltrennung und Müllvermeidung. Die Abfallbeauftragte des Flughafens steht Mitarbeitern wie Mietern bei allen Fragen rund um die Entsorgung zur Seite. Für größere Veranstaltungen wird jeweils ein Abfall- und Entsorgungskonzept vorgelegt.

Die Anwohner des Flughafens Nürnberg können beim Flughafenfest, das alle zwei Jahre stattfindet, das Neueste rund ums Thema Nachhaltigkeit erfahren. In einem „Umweltdorf“ präsentiert sich nicht nur die Fachabteilung des Flughafens, es ist auch ein Forum für Behörden, Verbänden und Umweltschutzorganisationen. Außerdem werden Informationen im Intranet und Mieternetz bereitgestellt. „Projekte, die den Klimaschutz, den Umweltschutz oder den Energieverbrauch betreffen, werden auch in den nächsten Jahren aktuell sein und bleiben“, so Pressesprecher Jan Beinßen.

Mehr Informationen
www.airport-nuernberg.de/nachhaltigkeit
www.adv.aero/fachbereiche/umwelt

Autorin: Corinna Panek
Fotos: Flughafen Nürnberg

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