Zukunftszug Hyperloop: Mit Schallgeschwindigkeit durch luftleere Röhren

Vor über fünf Jahren stellte Unternehmer Elon Musk erstmals seinen Zukunftszug Hyperloop vor. Fast mit Schallgeschwindigkeit soll eine Kapsel mit Passagieren durch eine luftleere Röhre rasen und Metropolen miteinander verbinden. Was damals wie heute noch nach Zukunftsmusik klingt, wird jetzt – im wahrsten Sinne des Wortes – langsam Realität.

Ende Oktober sorgte ein Tweet von Elon Musk für Aufmerksamkeit in der Welt der Mobilität: „The first tunnel is almost done – der erste Tunnel ist fast fertig“ twitterte der umtriebige Investor. Ihm ging es jedoch nicht etwa um ein Bauwerk für seinen Tesla-Elektrofahrzeugkonzern, sondern um die Teststrecke für das neue Verkehrssystem Hyperloop seines Hightech-Unternehmens Hyperloop Transportation Technologies. Dabei handelt es sich um einen revolutionären Zug, auf den die klassische Definition eines Schienenfahrzeuges allerdings nicht mehr zutrifft: Vakuumpumpen erzeugen in einem geschlossenen Tunnelsystem einen luftleeren Raum. Dadurch entfällt der Luftwiderstand. Elektromagnetisch angetriebene Kapseln sollen so in den Röhren im Schwebezustand annähernd Schallgeschwindigkeit, also über 1200 Stundenkilometer, erreichen können – und das bei äußerst geringem Energieverbrauch. „Unser Hyperloop wird die Geschwindigkeit eines Flugzeuges, die Kapazität eines Zuges und die Taktung öffentlicher Verkehrsmittel haben“, schwärmt Musk.
Am 10. Dezember 2018 soll der Testtunnel in der Metropolregion von Los Angeles mit ihren rund 14 Millionen Einwohnern eröffnet werden. Schon am folgenden Tag sind kostenlose Probefahrten geplant. Allerding noch längst nicht mit der anvisierten Höchstgeschwindigkeit. Der Hyperloop wird seine ersten Schwebefahrten mit fast gemächlichen 250 bis 300 Stundenkilometern aufnehmen. Der Tunnel verläuft etwa 3,2 Kilometer unter den Straßen von Hawthorne im Großraum Los Angeles, wo sich auch das Hauptquartier von Musks Weltraumunternehmens SpaceX befindet.

Erste Hyperloop-Tests auch in Europa

Aus der Idee des Hyperloop ist nicht nur eine Bewegung, sondern längst eine Industrie mit verschiedenen Wettbewerbern geworden. Und die planen global: Kommerzielle Hyperloop-Systeme sollen in China, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in der Ukraine und in mehreren europäischen Ländern entstehen. Auch Hyperloop Transportation Technologies hat den Sprung nach Europa gewagt und im Frühjahr 2018 zunächst mit dem Bau einer kleinen, 320 Meter langen, geschlossenen Hyperloop-Teststrecke im französischen Toulouse begonnen. Zusätzlich soll eine weitere, tausend Meter lange, auf rund sechs Meter hohen Pylonen gelagerte Teststrecke mit einem Durchmesser von vier Metern entstehen. Diese Größe entspricht bereits einer späteren realen Verbindung, für deren Streckenführung es jedoch aktuell noch keine Pläne gibt. Das geschlossene Hyperloop-Testsystem wird bereits 2018 betriebsbereit sein, die lange Teststrecke dann im Folgejahr.
Elon Musk plant mit seinem Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies unter anderem, einen Tunnel quer durch den Westen von Los Angeles und einen weiteren zwischen einer U-Bahn-Linie und dem Dodger-Baseballstadion zu bauen.
Mit im Rennen um die erste kommerzielle Strecke ist auch Virgin Hyperloop One. Das vom Milliardär Richard Branson gegründete Technologieunternehmen musste jedoch beim Bau einer ersten Hyperloop-Trasse in Saudi-Arabien einen herben Rückschlag hinnehmen: Das Vorhaben ist nämlich gerade erst aus politischen Gründen gestoppt worden. So bleibt offen, wann und wo die erste reguläre Hyperloop-Verbindung in Betrieb gehen wird. Wenn überhaupt, denn Kritiker sehen das System als äußerst schwierig zu realisieren an und verweisen neben den hohen Baukosten auf viele, noch ungelöste physikalische Probleme. So gäbe es beispielsweise immer noch keine technischen Lösungen, um Weichen oder Gabelungen im System zu realisieren. Auch die Rettung der Passagiere bei Notfällen, wie Erdbeben oder Anschlägen, sei wegen der hermetisch abgeschlossenen, luftleeren Röhren extrem schwierig.

„Echte“ Fenster wird es in den Passagierkapseln übrigens nicht geben, sie haben in den Röhren schlichtweg keinen Sinn. Allerdings haben die Entwickler an den Seitenwänden große interaktive Panorama-Bildschirme geplant, auf denen virtuelle Welten gezeigt werden können – oder aber auch Werbespots.

Text von Behrend Oldenburg
Abbildungen: Hyperloop Transportation Technologies
Share This