Wird die Autobahn zum eHighway für Oberleitungs-Lkw?

Ende 2018 soll die Teststrecke für den ersten deutschen eHighway fertig sein, ab 2019 dann die ersten Oberleitungs-Lkw auf der Autobahn 5 zwischen den Anschlussstellen Langen/Mörfelden und Weiterstadt im realen Verkehr getestet werden. Das Pilotprojekt ELISA (Elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen) unter Federführung der hessischen Landesbehörde für Straßen- und Verkehrsmanagement ist Teil des bundesweiten Aktionsprogramms „Klimaschutz 2020“, in dem elektrische Antriebe bei schweren Nutzfahrzeugen erprobt werden sollen. Zwei weitere Teststrecken sind in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg vorgesehen.
„Elektrisch betriebene Oberleitungs-Lkw sind eine besonders effiziente Lösung auf dem Weg zu einem klimaneutralen Güterverkehr“, sagt Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Jede der drei Pilotstrecken hat ihre eigene Strecken- und Verkehrscharakteristik. In Hessen erproben wir das System auf einem der stärkst befahrenen Autobahnabschnitte Deutschlands.“ Eine große Bedeutung für den Güterverkehr kommt der Strecke, auf der je Fahrtrichtung rund fünf Kilometer des rechten Fahrstreifens elektrifiziert werden, insbesondere auch als Anbindung der CargoCity Süd des Frankfurter Flughafens zu. Die Anlage soll in reale Transportketten eingebunden werden: Mehrere Speditionen und Logistikunternehmen wollen ihre regulären Transporte über die Teststrecke mit Elektro-Lkw abwickeln – dazu zählen zum Beispiel die HEAG mobilo AG, Ludwig Meyer GmbH & Co. KG und die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG.
Der eHighway soll den Gütertransport auf der Straße nachhaltiger und umweltfreundlicher machen. Siemens erprobte die Technologie in den vergangenen Jahren auf einer nicht-öffentlichen Teststrecke im brandenburgischen Groß Dölln.
Mit dem Bau der Oberleitungsanlage für den elektrifizierten Straßengüterverkehr wurde die Siemens AG beauftragt. Kernelement des Systems sind Hybrid-Lkws mit intelligenten Stromabnehmern. Sensoren im Dach des Lkw erkennen, ob sich über dem Fahrzeug eine Oberleitung befindet. Die ins Dach des Führerhauses eingebauten Abnehmer werden daraufhin ausgefahren und versorgen den Elektromotor des Lastwagens mit Strom. Zugleich wird die mitgeführte Batterie aufgeladen. Bei dem Stromabnehmer handelt es sich um eine Weiterentwicklung des bei Zügen bewährten Systems. Endet die Oberleitung oder will ein Lkw überholen und verlässt die Spur, springen entweder die Batterie oder ein Dieselgenerator an. Das Herstellen oder Lösen der Verbindung mit der Oberleitung erfolgt automatisch im fließenden Verkehr, ohne dass die Geschwindigkeit verringert werden muss.
„Mit dem eHighway haben wir erstmals eine wirtschaftlich darstellbare Lösung für einen klimaneutralen Straßengüterverkehr geschaffen. Unsere Technologie ist damit eine heute schon real existierende Alternative zum Lkw-Transport mit Verbrennungsmotoren“, sagt Roland Edel, Technologiechef der Mobilitätssparte von Siemens. Der eHighway sei im Vergleich zu konventionellen Verbrennungsmotoren doppelt so effizient und sorge somit dafür, dass Oberleitungs-Lkw im Vergleich zu Diesel-Lkw nur halb so viel Energie verbrauchen würden.

An den Plänen zur Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs gibt es jedoch auch Kritik: So vertritt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Ansicht, dass es zu aufwändig und teuer sei, Autobahnen zu elektrifizieren. Zudem gebe es mit der Eisenbahn bereits eine sinnvolle Alternative zum Fern-Lkw. Angesichts der hohen Investitionskosten gilt es als unwahrscheinlich, dass das Konzept der eHighways zeitnah flächendeckend umgesetzt wird. Laut Stefan Dörfelt, Leiter Produktmanagement bei der Onlinespedition Frachtraum, könne ein Einsatz von Oberleitungs-Lkw eher auf Pendelstrecken zwischen Häfen, Fabriken oder Umladeplätzen sinnvoll sein.

Text von Benjamin Klare
Fotos und Infografik: Siemens
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