STAN holt schon mal den Wagen

An den Flughäfen Lyon in Frankreich und Gatwick in Großbritannien schafft ein innovativer Parkroboter mehr Platz auf den Parkplätzen.

Flughafen Lyon-Saint Exupéry in Frankreich, Parkplatz P5: Dicht an dicht stehen hier die Autos der Fluggäste – so dicht, dass zwischen ihnen kaum mehr Zwischenraum als die sprichwörtliche Breite einer Briefmarke bleibt. Die Türen zum Ein- oder Aussteigen zu öffnen, ist unmöglich. Nun sind die französischen Autofahrer zwar für unkonventionelle Fahr- und Parkmanöver bekannt, doch der Blick auf diesen Parkplatz wirft Fragen auf. Wie kommen die bis zu 500 Autos hier hin – und auch wieder weg? Das Staunen wird umso größer, wenn sich die Fahrzeuge zum Ein- und Ausparken auch noch wie von Geisterhand in Fahrt setzen. Sie schweben förmlich über die große Asphaltfläche – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn ihre Räder berühren dabei nicht den Boden.

STAN sorgt hier am Flughafen Lyon, dem mit elf Millionen Passagieren jährlich und 131 Direktzielen zweitgrößten Regionalflughafen Frankreichs, für Ordnung und Bewegung, um den Fluggästen das lästige und zeitraubende Parken vor und nach dem Flug abzunehmen. STAN ist jedoch kein Mensch, sondern ein freundlich dreinschauender Roboter des französischen Herstellers Stanley Robotics. Er parkt Autos ein und aus, besser als es jeder noch so talentierte Fahrer könnte. Und das ganz ohne Beulen und Kratzer. Stanley Robotics wurde 2015 als Start-up in Paris gegründet. Die drei Initiatoren Clément Boussard (CEO), Aurélien Cord (CTO) und Stéphane Evanno (COO) arbeiteten zuvor in renommierten französischen Forschungsinstituten und bei der Robert Bosch GmbH am Thema autonome Fahrzeugtechnologien.

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Wenn der Fluggast mit seinem Wagen den Flughafen-Parkplatz ansteuert, stehen bereits an der Einfahrt zwölf große Garagen bereit. Hier stellt der Fahrer den Pkw ab und hinterlegt den Schlüssel in einer Box. Über eine Smartphone-App checkt er seinen Wagen ein, ein Scanner vermisst die Grundfläche und errechnet die nötige Parkplatzfläche. Jetzt nur noch das Gepäck aus dem Kofferraum genommen und ab zum Shuttlebus, der direkt zum Terminal fährt. Wenig später kommt STAN um die Ecke, um den in der Garage abgestellten Wagen mit einer Plattform wenige Zentimeter anzuheben und huckepack voll elektrisch auf die vorgesehene Parkfläche zu manövrieren. Und zwar so platzsparend, also eng an eng, wie möglich. Bei der Wegfindung und der Positionierung hilft ihm ein äußerst präzises GPS-System.

Da die App des Fahrers ebenso die Daten seines Rückfluges erfasst, holt STAN den Wagen auch rechtzeitig wieder hervor und parkt ihn pünktlich zum Abholen in eine freie Garage ein.
Aktuell sind gleich vier STANs in Lyon im Einsatz, weltweit feierte das System hier seine Premiere. Rund zwei Jahre zuvor nahm das Projekt seinen Anfang, als Stanley Robotics eine Partnerschaft mit den Aéroports de Lyon besiegelte, um die robotergestützte Valet-Technologie einzuführen. Die Testphase verlief so erfolgreich, dass Ende März 2019 der offizielle Betrieb aufgenommen werden konnte. Tanguy Bertolus, CEO von Aéroports de Lyon, rechnet mittelfristig sogar mit bis zu 2000 zusätzlichen Parkplätzen, die STAN und seine Kollegen „bewirtschaften“ könnten. Die Gesamtkapazität des Flughafens würde damit auf über 6000 Plätze ansteigen. Und das, ohne nennenswerte neue Flächen anzulegen, denn durch die enge Anordnung der automatisierten Stellplätze steigt die Parkkapazität um rund 50 Prozent. Schließlich entfällt der sonst notwendige Platz für das Ein- und Aussteigen und die Wegeführung. Zudem können die Autos regelrecht „zugeparkt“ werden, da das System erkennt, wann sie wieder vorgeholt werden müssen. Die dazu nötigen Umparkaktionen kann STAN problemlos in den ruhigen Nachtstunden erledigen.

„Wir haben den Service so konzipiert, dass er für die Flughafengäste eine besonders einfache und angenehme Erfahrung ist.“

Clément Boussard, CEO Stanley-Robotics

Doch es gibt noch weitere Vorteile, wie bei der Sicherheit: Außer Service-Mitarbeitern und Einsatzkräften, beispielweise im Falle eines Brandes, haben Menschen zu den Parkflächen keinen Zutritt. Einbruch und Vandalismus werden so vermieden.

Die Fluggäste wiederum sparen sich die lästige und zeitraubende Parkplatzsuche und lange Wege zum Terminal. Und auch die Umwelt profitiert: Da STAN den Pkw-Verkehr auf dem Parkplatz fast vollständig unterbindet und voll elektrisch arbeitet, sinkt der regional verursachte CO2-Ausstoß massiv.

Für Flughafenchef Bertolus war die Einführung von STAN eine logische Konsequenz: „Mit unserem innovativen Denken waren wir unseren Wettbewerbern in Bezug auf Kundenzufriedenheit und Servicequalität immer einen Schritt voraus. Die Erprobung des Valet-Roboters steht daher im Einklang mit unserer Innovationslogik, um auch den künftigen Anforderungen gerecht zu werden.“ Stanley-Robotics-CEO Clément Boussard sieht vor allem den Anwender im Fokus der Entwicklung: „Wir haben den Service so konzipiert, dass er für die Flughafengäste eine besonders einfache und angenehme Erfahrung ist.“

Im August 2019 hat STAN ein zweites Betätigungsfeld gefunden: Nach dem erfolgreichen Start in Lyon haben die Techniker von Stanley Robotics das System auch am Flughafen London Gatwick installiert. Der Airport im Süden der britischen Hauptstadt gilt nach Heathrow als zweitgrößter Großbritanniens und als der achtgrößte in Europa. Die Planer erwarten, dass mit dem Einsatz des Parkservice-Roboters auf einem kleineren Parkplatz, der Platz für lediglich 170 Pkw bietet, künftig 270 Fahrzeuge abgestellt werden können.
Text von Behrend Oldenburg
Fotos: Stanley Robotics