So kann die Logistikbranche attraktiver für Young Professionals werden

Der Logistiksektor ist der drittgrößte Wirtschaftsbereich Deutschlands – in der Öffentlichkeit hat er jedoch oft ein schlechtes Image. Diesen Eindruck teilen offenbar auch Young Professionals, wie eine repräsentative Studie des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens Trendence ergeben hat. Darin wurden 18.000 Young Professionals mit bis zu zehn Jahren Berufserfahrung zu ihren Wunscharbeitgebern und Karriereplänen befragt. Die Logistik landete auf dem drittletzten Platz von 14 Branchen. Sie ist also vergleichsweise unattraktiv für junge Berufstätige mit akademischem Hintergrund. Ändern wollen das „Die Wirtschaftsmacher“, eine Initiative deutscher Logistiker, mit der bundesweiten Imagekampagne „Logistikhelden“, die im zweiten Halbjahr 2019 starten soll.

Top 10 der Arbeitgeber Logistik 2018

  • 1. Lufthansa Group 49.3% 49.3%
  • 2. Deutsche Bahn 34.4% 34.4%
  • 3. Deutsche Post DHL 16.8% 16.8%
  • 4. Fraport 16.4% 16.4%
  • 5. Deutsche Flugsicherung 14.2% 14.2%
  • 6. Kühne + Nagel 14.0% 14.0%
  • 7. Flughafen München 13.2% 13.2%
  • 8. Schenker 10.0% 10.0%
  • 9. Jungheinrich 8.2% 8.2%
  • 10. Dachser 5.5% 5.5%

Aufmerksamkeit für den Wirtschaftsbereich Logistik zu schaffen, die Attraktivität für potenzielle und bestehende Arbeitnehmer zu erhöhen, die Bedeutung für die deutsche Wirtschaft hervorzuheben und das Image zu verbessern – das sind die Ziele der „Wirtschaftsmacher“, die ihre Kampagne im Oktober 2018 beim Deutschen Logistik-Kongress in Berlin erstmals öffentlich vorgestellt hatten.

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Zu den Unterstützern zählt auch das Board of Airline Representatives in Germany (BARIG). Der in Frankfurt ansässige Dachverband vertritt die Interessen von mehr als 100 in Deutschland tätigen Fluggesellschaften. „Unsere Airlines aus den Bereichen Luftfracht, Passage und Touristik wie auch unsere Business Partner sind ein wichtiger Teil der Logistik in Deutschland und der Welt“, sagt BARIG-Generalsekretär Michael Hoppe. „Fachkräfte, innovative Konzepte, Digitalisierung und moderne Strukturen gehören zu den aktuellen Themen unserer Branche. Deshalb engagieren wir uns in dieser Kampagne für mehr Anerkennung und ein positiveres Image der für den Wirtschaftsstandort Deutschland so wichtigen Logistik.“

BARIG zählt wie BMW, Siemens und Airbus zu den über 40 Unterstützern der Initiative „Logistikhelden“, die sich aus Unternehmen, Vereinigungen und Verbänden sowie Medienpartnern zusammensetzen.

Frauke Heistermann, Sprecherin des Themenkreises „Image der Logistik“ und Mitglied im BVL-Vorstand.

Die Idee zur Kampagne, für die Vereine, Verbände, Institute, Logistikdienstleister sowie Industrie und Handel gezielt ihre Kräfte bündeln, wurde im Themenkreis „Image der Logistik“ der Bundesvereinigung Logistik (BVL) entwickelt. „Im Themenkreis arbeiten wir seit drei Jahren sehr kreativ und leidenschaftlich an der Frage, wie das Image der Logistik verbessert werden kann. Nun haben wir einen pragmatischen Weg gefunden, der offensichtlich gut ankommt“, sagt Frauke Heistermann, Sprecherin des Themenkreises und Mitglied im BVL-Vorstand. Für viele potenzielle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sei die Branche momentan allenfalls dritte Wahl, was auch an mangelnder Sichtbarkeit der Logistik läge. „Der Wirtschaftsbereich Logistik hat ein gutes Wachstumspotenzial, nicht zuletzt bedingt durch Digitalisierung und Innovationen. Allerdings werden wir zunehmend Leistungsprobleme bekommen, wenn es uns nicht gelingt, neue qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen“, so Heistermann. Benötigt würden neue Formen des Recruitings, um möglichst viele Menschen in und außerhalb der Logistik zu erreichen und sie hierfür zu begeistern – mit authentischen Botschaften über zielgruppengenau ausgewählte On- und Offline-Medien.

Wer die Initiative deutscher Logistiker und deren Imagekampagne unterstützen möchte, kann hier Kontakt zu den Wirtschaftsmachern aufnehmen.

Anerkennung und Entwicklung sind Young Professionals wichtig

Die Zielgruppe im Blick haben und auf den Punkt bringen, was es attraktiv macht, in der Logistikbranche zu arbeiten: „Das muss glaubwürdig sein, einzigartig, eingängig und attraktiv für die Kandidaten, die Sie überzeugen wollen“, rät Robindro Ullah, Geschäftsführer des Trendence Instituts. Viele Young Professionals beklagten mangelnde Karriereperspektiven in Logistik-Unternehmen. Angestellte, die bereits in diesem Sektor arbeiten, seien im Vergleich zu Mitarbeitern anderer Branchen tendenziell unzufriedener. Zu den Faktoren, die aufseiten der Arbeitgeber verbessert werden müssten, zählten der Führungsstil, die Bezahlung und die Perspektiven. „Den Mitarbeitern geht es gar nicht immer um die nächste Stufe auf der Karriereleiter, sondern um Anerkennung und Entwicklung“, sagt Ullah.

Neben monetären Benefits, wie etwa die Übernahme von Mitgliedsbeiträgen für ein Fitnessstudio, müssten Logistik-Unternehmen vor allem in die Weiterentwicklung ihrer Führungskräfte investieren. „Bauen Sie Karriere- und Entwicklungsmodelle auf, die neben der klassischen Führungskarriere auch Expertenkarrieren oder Neu- und Umorientierungen innerhalb des Unternehmens mit Projektarbeit oder Jobrotation ermöglichen“, empfiehlt Ullah. Letztlich gehe es um die strukturierte Weiterentwicklung der Mitarbeiter in regelmäßigen Schulungen und Coachings. „Paaren Sie diese Maßnahmen mit Lob und Anerkennung und sprechen Sie diese Wertschätzung auch offen aus, erzeugen Sie nicht nur eine hohe Bindung, sondern schließen Sie auch den Kreis zu einem guten Führungsstil.“ Letzteres, erklärt der Geschäftsführer des Trendence Instituts, sei für viele Angestellte entscheidend. Denn, so Ullah: „Die wenigsten Mitarbeiter verlassen ein Unternehmen – die meisten verlassen eine Führungskraft.“

Robindro Ullah, Geschäftsführer des Trendence Instituts.

Text von Benjamin Klare
Grafik: Trendence
Fotos: Pixabay, Christoph Müller/BM Productions, Die Wirtschaftsmacher, Trendence