Smart Air Cargo Trailer für autonome Luftfrachttransporte

Luftfrachtsendungen bedarfsgerecht und autonom zwischen Spediteur und Luftfrachtabfertiger zu transportieren – das ist das Ziel des Forschungsprojekts Smart Air Cargo Trailer in der CargoCity Süd am Frankfurter Flughafen.
Derzeit bündeln Spediteure an ihren Hubs Exportfracht für verschiedene Luftfrachtabfertiger. Sobald ein Trailer voll oder der Anlieferungsschluss, Latest Acceptance Time (LAT), für eine der verladenen Sendungen in Sicht ist, transportieren die Spediteure diese dann zu den Annahme-Rampen der Abfertiger. Die Abfertiger verteilen die Fracht anschließend auf die jeweiligen Flüge. Im Import verlaufen die Prozesse entgegengesetzt. Im Fluss sind die landseitigen Verkehre nicht, und auch bei der Effizienz gibt es noch Luft nach oben: Zwar vermeiden die Spediteure Rückstau an ihren Rampen, um jedoch die LAT einhalten zu können, kalkulieren sie lange Wartezeiten ein und bringen ihre Transporte sehr frühzeitig und somit oft schlecht ausgelastet auf den Weg. Abfertiger ihrerseits können die weitere Abfertigung nicht sinnvoll steuern, sondern müssen entgegennehmen, was der Spediteur ihnen liefert.
So wird Luftfracht derzeit im Im- und Export gehandelt.
Abhilfe soll das Forschungsprojekt Smart Air Cargo Trailer (SAT) in der CargoCity Süd am Frankfurter Flughafen schaffen. Innerhalb von zwei Jahren sollen intelligente Lkw-Auflieger, sogenannte Smart Trailer, entwickelt werden, mit denen sich über eine cloudbasierte Plattform autonome Transporte durchführen lassen – und zwar so, wie es für Spediteur und Abfertiger optimal ist.

Neben der Fraport AG beteiligen sich die Hochschule RheinMain, das Fraunhofer IML, der Hersteller autonomer Fahrzeuge KAMAG, der Cargo-Handler LUG, die Speditionen Sovereign und Dachser sowie der Logistiksoftware-Anbieter CargoSteps an dem Projekt. Gefördert wird es im Rahmen von „Hessen ModellProjekte“ aus Mitteln der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE).

Autonome und effiziente Transporte

Herzstück von SAT ist ein komplexer Steuerungsalgorithmus, der eine Vielzahl an Sendungsinformationen der einzelnen Frachtstücke, zum Beispiel die LAT, berücksichtigt. Verladedaten liefert ein Kamerasystem am Trailer. Es soll mehrere Packstücke auf einer Palette gleichzeitig erfassen und deren Barcodes lesen – auch, wenn sie teilverdeckt sind. „Sind die Codes gar nicht zu sehen, soll das System aus einem Abgleich mit dem Auftrag schließen, ob dennoch alle Packstücke vorhanden sind“, erklärt Rachid Touzani, Geschäftsführer von CargoSteps. Ist der Auflieger vollständig oder mit einer zeitkritischen Sendung beladen, fordert das System im Sinne des Internets der Dinge eigenständig eine Zugmaschine an. Alle Daten können die Beteiligten über die Cloud am Smartphone, Tablet oder Computer einsehen. Spediteur und Abfertiger können die Transporte auch nach ihren Kapazitäten steuern und so beispielsweise Lieferungen zurückstellen, wenn ihre Rampen ausgelastet sind.
Schematische Darstellung des Forschungsprojekts Smart Air Cargo Trailer für bedarfsgerechte und autonome Luftfrachttransporte.
Für die Fahrt zum Empfänger sollen in der CargoCity Süd erstmals autonome Transporte im Mischverkehr, dem parallelen Betrieb von autonomen Transporten und regulären Lkw- und Pkw-Verkehren, erprobt werden. „Als Innovationsführer in der Luftfracht freuen wir uns, dieses Projekt zu unterstützen. Es wird nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts verbessern“, sagt Felix Kreutel, Bereichsleiter Fracht der Fraport AG. „Die Kombination von sich selbst disponierenden Systemen in Verbindung mit autonom fahrenden Transporten ist in Zukunft ein Muss, um Prozessabläufe effizienter zu gestalten, die Reichweite der bestehenden Infrastruktur zu erhöhen und dem Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken.“
Text von Marion Frahm
Foto: Fraport
Grafiken: Hochschule RheinMain
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