Revolution der urbanen Mobilität: Im Lufttaxi abheben

Selbststeuernde Fluggeräte gelten als mögliches Verkehrskonzept der Zukunft. In Dubai ist der weltweit erste Testbetrieb mit autonomen Lufttaxis gestartet.
Staus und Hupkonzerte, verpasste Anschlüsse und überfüllte Bahnen sind in vielen Städten Alltag. Urbane Ballungszentren wachsen Jahr für Jahr und bringen die Verkehrssysteme an ihre Grenzen. Mit Flugautos verstopfte Straßen, Stress und Hektik hinter sich zu lassen, war bis vor kurzem Science Fiction. Mittlerweile gibt es derart ausgereifte Technologien, dass selbststeuernde Fluggeräte als mögliches Verkehrskonzept der Zukunft gelten.
In Dubai ist der weltweit erste Testbetrieb mit autonomen Lufttaxis gestartet. Die staatliche Verkehrsbehörde des Emirates hat das Unternehmen Volocopter aus Bruchsal für die fünfjährige Testphase ausgewählt. Das Fluggerät des Start-ups kann senkrecht starten und landen, wird elektrisch angetrieben und ist dadurch leise und umweltfreundlich. Zwei Passagiere passen in das fliegende Auto mit 18 kleinen, kreisförmig angeordneten Rotoren. Nun will das Emirat die nötigen Grundlagen für den Betrieb schaffen: Zertifizierungsrichtlinien, Sicherheitsstandards sowie die Definition von Flugrouten, Start- und Landepunkten, wie es in einer offiziellen Regierungsmitteilung heißt. „Der Schritt spiegelt das Ziel wider, bis zum Jahr 2030 ein Viertel des Verkehrs in Dubai auf autonomen Transport umzustellen“, sagte der zuständige Behördenleiter Mattar al-Tayer.

Millionenschwere Finanzhilfen für Start-ups

Investoren sehen in dem Markt großes Potential. Volocopter erhielt im Sommer 2017 eine Finanzspritze über 25 Millionen Euro, unter anderem vom Stuttgarter Autokonzern Daimler. Doch Volocopter ist nicht das einzige Unternehmen, das in diesem Zukunftsmarkt aktiv ist. Lilium, ein Start-up aus München, konnte kürzlich sogar 77 Millionen Euro Finanzhilfen verbuchen. Im April startete der eiförmige Lilium-Jet erfolgreich zum Erstflug. Anders als der Volocopter besitzt der Lilium-Jet vier Flügel mit insgesamt 36 Triebwerken. Diese Elektromotoren können in eine vertikale oder horizontale Position gekippt werden für den Senkrechtstart oder Beschleunigung nach vorne. Der notwendige Auftrieb, um in der Höhe zu bleiben, wird von den Tragflächen wie bei einem konventionellen Flugzeug erzeugt. In Zukunft soll das fliegende Taxi per App zur nächsten Abholstation bestellt werden können und pro Kilometer nicht mehr kosten als ein Taxi auf Rädern.
Senkrechtstarter: Die Reichweite des Lilium-Jets soll nach Angaben des Münchner Start-ups 300 Kilometer betragen, die Höchstgeschwindigkeit bei 300 km/h liegen.
Rund um den Globus tüfteln Entwickler an fliegenden Autos. Der Fahrdienst-Vermittler Uber gehört ebenso dazu wie Google-Gründer Larry Page, Volvos chinesische Muttergesellschaft Geely und Carplane in Braunschweig mit seinem Flugzeug, das auch auf der Straße fahren kann. Die Unternehmensberatung Roland Berger ist sich sicher, dass derartige teil- oder vollelektrisch angetriebene Fluggeräte bald Normalität werden. „In den nächsten Jahrzehnten wird sich die Luftfahrt stark verändern“, sagt Manfred Hader von Roland Berger. In einer neuen Studie haben die Experten 70 Projekte für elektrische Flugzeugantriebe untersucht und festgestellt, dass vor allem Start-ups und unabhängige Entwickler die Innovatoren sind. Nur bei 18 Prozent der Projekte beteiligen sich große Flugzeugbauer. Zu den Gründen könnten etwa die schwierige Entwicklung von leistungsstarken Batterien, leichten Motoren und energieeffizientem Design zählen.

Optimaler Transport – am Boden und in der Luft

Airbus scheint also eine Ausnahme zu sein. Der Flugzeugbauer arbeitet gleich an mehreren Projekten zur elektrischen Mobilität im städtischen Luftraum: Dazu zählen CityAirbus, ein senkrecht startendes und landendes Elektro-Fluggerät mit acht Rotoren (120 km/h) für bis zu vier Personen, und Vahana, das Einzelpersonen und Fracht transportieren kann. Beide Fluggeräte fliegen autonom. Airbus will Vahana bereits Ende 2017 im Flug erproben, erste Flugtests für CityAirbus sind 2018 geplant.

Auf dem Genfer Autosalon im März 2017 stellte Airbus zudem gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Italdesign das kombinierte Boden-Luft-Fahrzeug Pop.Up vor. Pop.Up ist bisher ein reines Konzeptfahrzeug, dessen Technologien noch ausgereift werden müssen. Die Idee: Fahrgäste buchen eine Route über eine App und erhalten automatisch die optimale Transportkombination auf der Straße und im Himmel. Hat der Passagier sein Ziel erreicht, kehren die Luft- und Bodenmodule mit der Passagierkapsel eigenständig zu elektrischen Ladestationen zurück.

Innovatives Mobilitätskonzept: Pop.Up von Airbus ist eine Mischung aus Auto und Multicopter. Die Passagierkapsel kann sich wahlweise an einen fahrbaren Untersatz auf Rädern oder ein Flugmodul mit Rotoren ankoppeln.
Text von Gesine Oltmanns
Bilder: Volocopter, Lilium, Airbus/Daniel Fortmann
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