Ready for Take Off: Die größte Air-Cargo-Messe der Welt

Sie gilt als die größte Luftfrachtmesse der Welt: die air cargo Europe während der Leitmesse transport logistic in München. Mehr als 220 Unternehmen aus über 40 Ländern präsentieren sich hier vom 4. bis zum 7. Juni 2019 auf rund 15.000 Quadratmetern. Auch die Fraport AG ist mit an Bord.
Die Fraport AG auf der transport logistic 2019:
Frankfurt Airport Services Worldwide, Halle B 1.113

Das Themenspektrum der Aussteller und Veranstaltungen auf der air cargo Europe ist weit gesteckt: Es reicht von immer höheren Anforderungen an den Klimaschutz über die wachsende Bedeutung des Online-Handels bis hin zum Mangel an Fachkräften in der globalen Luftfrachtindustrie. Lösungsansätze bieten die Automatisierung, alternative Antriebe, das Internet der Dinge und die Künstliche Intelligenz (KI).

„Erst mit dem Austausch über konkrete Anwendungsfälle kommt das Thema künstliche Intelligenz auf den Boden.“

Prof. Dr. Joachim Ehrenthal, University of Applied Sciences and Arts, Basel

„Die Anwendung von KI ist die logische Konsequenz der fortschreitenden Digitalisierung in der Luftfracht“, erklärt Prof. Dr. Joachim Ehrenthal von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er ist Mitgestalter der offenen Diskussionsrunde „Artificial Intelligence: Next Level Air Cargo?“ auf dem Branchentreff. Durch den Austausch über konkrete Anwendungsfälle möchte Ehrenthal das Thema künstliche Intelligenz „auf den Boden bringen.“ KI werde in der Luftfahrt bereits jetzt für Prognosen, optische Prozessüberwachung, die Fahrzeugwartung, das Packen von Behältern oder die Betrugserkennung eingesetzt.

Oftmals passen zu den Luftfracht-Anforderungen die Verfahren der ‚Computational Intelligence‘: Darunter werden von der Natur inspirierte Verfahren verstanden, wie zum Beispiel künstliche neuronale Netze und Schwarmintelligenz. Der Fokus liegt dabei immer auf Daten und deren automatisierter Nutzung. „Wir müssen die Daten zum Fliegen bringen: Das heißt, dass bestehende Datenfriedhöfe aktiviert und in betriebliche Entscheidungssysteme verwandelt werden müssen“, betont Ehrenthal.

„Bis zu fünf Prozent der Luftfracht wird durch 3D-Druck überflüssig werden.“

Dr.-Ing. Harald Sieke, Abteilungsleiter Luftverkehrslogistik Fraunhofer IML

Dr. Harald Sieke, Abteilungsleiter Luftverkehrslogistik vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML), bestätigt diese Sichtweise: „KI wird entlang der gesamten Luftfrachttransportkette eingesetzt werden. Die aussichtsreichsten Möglichkeiten bestehen bei Buchung, Reservierung sowie beim Frachtaufbau für die Flugzeugladung.“ Es werde durch KI auch zu Verschiebungen im Markt kommen, da sich einzelne Player neu aufstellen und andere vom Markt verschwinden werden.

Ein weiterer Trend: Der stark wachsende Onlinehandel führt seit Jahren zu immer kleinteiligeren Sendungen bis hin zu Einzelstücken. „Diese Kleinteiligkeit wird vor allem im grenzüberschreitenden E-Commerce ansteigen, ein für die Luftfracht sehr wichtiges Segment“, prognostiziert Sieke. Zudem wolle der Kunde den Transport möglichst lückenlos verfolgen. Cargo iQ, eine Initiative der International Air Transport Association (IATA), möchte deshalb zur Prozesskontrolle, Qualitätsüberwachung und Serviceverbesserung beitragen.

Emirates SkyCargo ist hier bereits seit März 2018 zertifiziert. „Wir interagieren proaktiv mit unseren Kunden über den Versandstatus“, sagt Nabil Sultan, Emirates Divisional Senior Vice President Cargo. „Wir überwachen rund um die Uhr die Transporte anhand festgelegter Meilensteine in Echtzeit und ergreifen bei Abweichungen oder Verspätungen Korrekturmaßnahmen.“

„Wir interagieren proaktiv mit unseren Kunden über den Versandstatus.“

Nabil Sultan, Emirates Divisional Senior Vice President Cargo, Dubai

Der Fachkräftemangel beschleunigt zudem den Trend zu automatisierten Systemen sowohl beim Handling als auch beim Transport von Luftfracht. Gleichzeitig werden „bis zu fünf Prozent der Luftfracht durch 3D-Druck überflüssig werden“, schätzt Luftverkehrslogistiker Sieke. Stelle man diese Zahl jedoch dem erwarteten jährlichen Wachstum der Luftfracht gegenüber, dann seien „die Effekte dieser Techniken als vernachlässigbar anzusehen“. Einen wesentlich größeren Einfluss wird hingegen das Internet der Dinge haben. „In Zukunft suchen sich die Sendungen selbst ihren Weg durch das Luftfrachtnetz“, meint der Wissenschaftler. Schon in fünf bis zehn Jahren werde die aktuell intensive Forschung dazu in der Praxis spürbar sein.
Die internationale Fachmesse für Logistik, Mobilität, IT und Supply Chain Management transport logistic gilt als die weltweit größte Messe für den Güterverkehr auf Straße, Schiene, Wasser und in der Luft. In die transport logistic ist die air cargo Europe integriert, sie ist Ausstellung und zugleich Branchentreff der globalen Luftfrachtindustrie. 2017 kamen 60.726 Besucher aus 123 Ländern und 2.162 Aussteller aus 62 Ländern auf das Münchner Messegelände. Die transport logistic findet alle zwei Jahre statt.

www.transportlogistic.de
www.aircargoeurope.com

Text von Behrend Oldenburg
Fotos von Messe München AG, Fraunhofer Institut, Universität Basel, Emirates, pixelio