RampVR: Fraport und IATA erproben Virtual-Reality-Technologie für Bodenverkehrsdienste

Für Piloten gehören virtuelle Schulungen am Computer mittlerweile zum Alltag. Die Fraport AG und der Airline-Verband IATA nutzen die Virtual-Reality-Technologie (VR) jetzt erstmals für Trainings der Bodenverkehrsdienste. Noch in diesem Sommer soll ein dreimonatiger Testlauf starten, bei dem etwa 100 Beschäftigte des Flughafens Frankfurt mithilfe des Schulungsprogramms RampVR trainiert und ausgebildet werden.

Flugzeug-Abfertiger und Lademeister üben damit zunächst zwei Abfertigungsverfahren: Zum einen das Einwinken des Flugzeugs, bei dem der Schulungsteilnehmer das heranrollende Flugzeug in seine Parkposition am Flugsteig einweist. Zum anderen die Aircraft Turnaround Inspection, bestehend aus einer Sicherheitskontrolle des Vorfeldes und einer Überprüfung des ankommenden Fliegers auf äußere Beschädigungen wie Kratzer oder Dellen, die beispielsweise bei Vogelschlag entstehen können. RampVR wurde von der IATA entwickelt, der Flughafen Frankfurt ist der erste große Hub, der das Programm testet.

Simulation verschiedenster Szenarien mittels RampVR

Bisher erfolgen die mehrtägigen Praxisteile der Schulungen direkt auf dem Vorfeld unter hohem Sicherheits- und logistischem Aufwand: Flugzeug und Ausrüstung müssen zur Verfügung stehen, zugleich darf der Flughafenbetrieb nicht gestört werden und das Wetter muss stimmen. Bei den virtuellen Trainings spielt all das keine Rolle mehr. Denn mit dem deutschsprachigen Schulungsprogramm Ramp VR können die Mitarbeiter in eine voll interaktive, realistische 3D-Umgebung eintauchen, die Vorfeld, Flugsteig, Flugzeug etc. naturgetreu nachbildet. Sie brauchen dazu lediglich eine 3D-Brille, einen mindestens 3 x 3 Meter großen Raum und einen Hochleistungsrechner. RampVR kann zudem eine Vielzahl von Szenarien und Live-Operationen simulieren: Tag- und Nachtbetrieb, ungünstige Witterungsbedingungen wie Nebel, verschiedene Flugzeugtypen, unterschiedliche Verkehrssituationen. Wie in einem Flugsimulator für Piloten können die Schüler jederzeit in einer ruhigen, sicheren Umgebung trainieren, Problemfälle wiederholen, Details überprüfen oder ihre aufgezeichneten Ergebnisse vergleichen, ohne den Betrieb auf dem Vorfeld zu behindern oder darauf Rücksicht nehmen zu müssen.

Die IATA präsentierte RampVR erstmals auf ihrer Ground Handling Conference 2017 in Bangkok – und wurde für diese innovative technische Lösung mit dem Technology Award der International Airport Review ausgezeichnet.

RampVR stärkt Sicherheitsgefühl künftiger Flugzeug-Abfertiger

Die Pilotphase soll nun zeigen, ob die VR-Schulungen effektiver und wirtschaftlicher sind als die herkömmlichen. „Praxisübungen können damit auf Knopfdruck unabhängig von Tageszeit, Wetterlage und Verkehrssituation gestartet werden. Wartezeit auf ein Flugzeug und Fahrzeit zur Abfertigungsposition fallen weg. Das könnte die Schulungstage reduzieren“, erklärt Christoph Blickhan, Projektleiter für Innovationsthemen von Fraport. Er hofft auf eine höhere Ausbildungsqualität durch die geschützte Schulungsumgebung und das gezielte Training kritischer oder ungewöhnlicher Situationen. „Die Schüler können gefahrlos Fehler machen und dadurch noch besser lernen. Außerdem sollen die Praxiserfahrungen in der digitalen Umgebung das Sicherheitsgefühl vor dem ersten echten Einsatz stärken“, so Christoph Blickhan. Nick Careen, Senior Vice President, Airport, Passenger, Cargo and Security der IATA, sieht weitere Vorteile: „VR im Lernkontext erhöht erheblich die Wissensbewahrung und verbessert gleichzeitig Motivation und Engagement.“ Doch das setzt eine hohe Akzeptanz der Mitarbeiter gegenüber der digitalen Schulungsform voraus, die ebenfalls bei dem Test untersucht werden soll.

Verläuft die Studie in Frankfurt positiv, will Fraport weitere Abfertigungsverfahren als Schulungsmodule innerhalb von RampVR von der IATA erarbeiten lassen und testen, beispielsweise den Flugzeug-Pushback, bei dem der Flieger aus der Parkposition herausgezogen wird.

Tech-Stage: Die VR-Brille konnte beim Frankfurt Air Cargo Innovation Lab 2017 ausprobiert werden.

Text von Gesine Oltmanns
Fotos: Fraport, IATA, Tim Wegner

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