Projekt UFO: Sind unbemannte Frachtflugzeuge schon bald Realität?

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat untersucht, wie unbemannte Frachtflugzeuge in den konventionellen Flugverkehr eingebunden werden können – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Große Frachtflieger ohne Pilot an Bord könnten schon bald Realität werden. In dem Projekt „Unmanned Freight Operations“, kurz: UFO, entwickelte das DLR spezielle Unterstützungssysteme, mit denen Fluglotsen und Piloten am Boden unbemannte Frachtflugzeuge durch das ständig steigende Verkehrsaufkommen am Himmel navigieren können. Zu den drei möglichen Einsatzszenarien für unbemannte Frachtflüge zählen laut DLR Werksgüter-Transporte zwischen zwei Fabrikstandorten mit einem Cessna-großen Fluggerät, Langstreckentransporte mit einem Frachter in der Größe einer Boeing 777 sowie Hilfsgütertransporte mit einer Flotte sogenannter Cargo-Drohnen. Letztere würden kaum anders als bemannte Missionen ablaufen: Meist von NATO oder UNO durchgeführt, wären die unbemannten Frachtflugzeuge auf festgelegten Routen in einem separaten Luftkorridor unterwegs. Vorteil: Je nach Größe der Hilfsflotte könnten sie von einem einzigen Piloten ferngesteuert werden.

Volle Kontrolle: Piloten könnten Frachtflugzeuge bereits in naher Zukunft von Bodenstationen aus steuern. Bildschirme zeigen ihnen Flugrichtung und Triebwerksparameter, Landkarten, Flugrouten und den umgebenden Luftverkehr an.

Unbemannte Frachtflüge über lange Strecken müssten jedoch in den regulären Flugbetrieb integriert werden, denn eine Separierung des Luftraums würde bei einer Zunahme von unbemannten Frachtfliegern den konventionellen Flugverkehr zu stark einschränken. Speziell geschulte Fluglotsen könnten die unbemannten Frachtflieger jedoch nicht nur über kurze Sektoren hinweg betreuen, sondern über einen längeren Streckenabschnitt sektorübergreifend begleiten. Auch der Werksgüter-Transport könnte laut DLR problemlos in einer geringeren Flughöhe in den konventionellen Luftverkehr eingebunden werden.

Innovatives Steuerungs- und Überwachungssystem entwickelt

Für den Piloteneinsatz am Boden erprobten die Forscher ein neues Steuerungs- und Überwachungssystem. Es liefert eine Fülle an Informationen: Flughöhe, Geschwindigkeit, Flugrichtung, Zustand der Triebwerk- und Treibstoff-Systeme, Daten zu Flugverkehr, Gelände, Wetter und vieles mehr. Der Pilot kann damit exakt und schnell die Flugroute überwachen und Abweichungen korrigieren. Für Fluglotsen hat das DLR bestehende Unterstützungssysteme erweitert, etwa um Anzeigen zum Status der Systeme des unbemannten Flugzeugs sowie dessen Geschwindigkeit und Flugrichtung.

Das erweiterte Lotsenunterstützungssystem mit einer Anflugsequenz von Flugzeugen auf einen Flughafen: Jedes Flugzeug ist mit Flughöhe, Richtung und Flugzeugtyp dargestellt.

Unbemannte Frachter ermöglichen längere Flugzeiten

„Das Projekt hat gezeigt, dass der unbemannte Frachtflug generell technisch und organisatorisch möglich ist“, sagt UFO-Projektleiterin Dr. Annette Temme. Fracht-Drohnen würden viele Vorteile bringen. Bisher müssen auf Langstrecken oft vier oder mehr Piloten mitreisen und sich regelmäßig abwechseln. Bei unbemannten Frachtflügen ist jeweils nur ein Pilot im Einsatz, der die Fluggeräte bedienen und nach seiner Dienstzeit einfach an einen Kollegen übergeben kann. So werden längere Flugzeiten und eine ausgewogene Arbeitsverteilung möglich. Cockpit und meist auch die Druckkabine an Bord fallen weg – das schafft zusätzlichen Frachtraum, spart Produktionskosten und Treibstoff, da das Flugzeug leichter wird.

Dr. Temme rechnet damit, dass in 10 bis 15 Jahren unbemannte Frachtflugzeuge in Betrieb gehen. Bis dahin müssen sich noch offene Fragen klären, etwa wie eine schnelle Kommunikation mit großen Datenmengen sichergestellt werden kann oder wie die Verantwortlichkeiten festgelegt werden, die vorher beim Piloten lagen. Außerdem gibt es derzeit noch keine definierten Zulassungsprozesse der unbemannten Flugzeuge, und auch dem Betrieb im Luftraum und an Flughäfen stehen noch rechtliche und technische Hindernisse im Weg.

Text von Gesine Oltmanns
Fotos: DLR

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