Pappe
statt
Holz

Mit einem Balken aus recyceltem Material kann die Luftfrachtpalette ein bisschen höher und bis an die Kanten aufgebaut werden. Sie ersetzen die herkömmlichen Kanthölzer und sind um einiges leichter.

Das Start-up Trilatec mit Sitz im saarländischen Merzig hat ein Produkt entwickelt, mit dem die Luftfrachtbranche eine Menge Gewicht einsparen kann. Das squAIR-timber genannte Material ist ein aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellter Balken, der beim Aufbau von Luftfrachtpaletten (ULD) herkömmliche Kanthölzer ersetzt. „SquAIR-timber ist 80 Prozent leichter als Holzbalken und spart damit rund 120 Kilo pro ULD“, sagt Trilatec-Geschäftsführer Andreas Langemann. Hochgerechnet auf den klassischen Frachter, eine Boeing 747, ergibt das vier Tonnen oder eine komplette ULD extra.

„Unser Kunde der ersten Stunde, die luxemburgische Luftfrachtgesellschaft Cargolux, verzeichnete schon im ersten Jahr eine Gewichtseinsparung von 1.200 Tonnen“, fügt er hinzu. Ein weiterer Kunde gab an, dass er den Krankenstand seiner Mitarbeiter um rund ein Drittel reduzieren konnte. Denn diejenigen, die mit squAIR-Timber arbeiten, müssen viel weniger heben. Baut ein Mitarbeiter am Tag 20 oder 30 ULDs auf, muss er pro Palette 120 Kilo weniger tragen. Das macht sich bemerkbar. „Es wundert also nicht, dass auch die Rückenprobleme des Personals sowie Verletzungen durch Holzsplitter stark zurückgegangen sind“, ergänzt Langemann. Und nicht zuletzt sei auch die monetäre Einsparung nicht unerheblich: Mehrere Millionen Euro pro Jahr seien ihm zu folge realistisch.

SquAIR-timber ist laut Trilatec ebenso tragkräftig und robust wie herkömmliche Balken. Grundlage für die große Druck-, Stoß- und Zugfestigkeit des Materials sei die Herstellung nach dem Carbon-Prinzip. Dabei wird das Material unter Druck mit Leimverbindungen zusammenlaminiert – es entsteht ein carbonartiger Stoff, der enorm belastbar und widerstandsfähig ist. „Deswegen ist das Material auch wasserbeständig und ideal, um Kanthölzer zu ersetzen“, fügt Langemann hinzu. Eine große Airline habe squAIR-timber monatelange draußen stehen lassen, wo es Wind und Wetter ausgesetzt war, und attestierte ein erfolgreiches Testergebnis.

Gleichzeitig sei das Material zu 100 Prozent recyclingfähig und lasse sich nach mehrfacher Nutzung über das Altpapier entsorgen. Entsorgungskosten wie etwa für Holz entstehen damit keine. Weiterer Vorteil: Die squAIR-timber-Balken sind in allen Wunschgrößen erhältlich und lassen sich individuell bedrucken, etwa mit dem Namen der Airline oder, dass sie beispielsweise nach Frankfurt zurückgesendet werden sollen. „Die Holzbalken verschwinden häufig schon beim ersten Umlauf, weil das Holz sich ebenso gut für andere Einsatzzwecke eignet“, sagt Langemann.

Mit dem Kantholz aus Pappe kann die ULD ein bisschen höher und bis an die Kanten raus gebaut werden, ohne die Verzurrmöglichkeiten zu verdecken. Über die seitlich angebrachten Haken lässt sich die Ware mit Netzen sichern. Damit diese zugänglich bleiben, werden beim Ladungsaufbau von ULDs vielfach noch Holzbalken als Unterbau verwendet oder zunehmend ebenfalls squAIR-timber. Mithilfe von Slave-Paletten – mit ein paar Reihen an Rollen ausgestattete Förderelemente – lassen sich die schweren Luftfrachtgüter anschließend schnell und flexibel in den Bauch des Flugzeuges verladen.

„SquAIR-timber ist 80 Prozent leichter als Holzbalken und spart damit rund 120 Kilo pro ULD.“

Andreas Langemann, Geschäftsführer des Start-ups Trilatec mit Sitz in Merzig

Aus dem Trilatec-Produkt lassen sich auch Europaletten fertigen, bestehend aus einem squAIR-timber-Wabenbrett und neun auf Palettenmaße zugeschnittene Balken aus dem gleichen Material. Die Deckplatte hat eine standardmäßige Tragkraft von mehreren Tonnen. Ganz praktisch: Man kann die Balken auch direkt unter einen Karton kleben, sodass gar keine Paletten mehr benötigt werden. „Vorrangig haben wir squAIR-timber aber als Unterbohlmaterial für die Luftfracht entwickelt und so wird es derzeit vor allem auch genutzt“, erläutert Langemann.

Alles, was bei der Produktion an Material verbraucht wird, ist zu 100 Prozent recyceltes Papier. Doch obwohl das Trilatec-Produkt leichter, stabiler und sehr robust ist, werde es immer mit Holz verglichen. „Derzeit ist der Holzpreis im Keller, nicht nur aufgrund des heißen Sommers und der Borkenkäfersituation. Es gibt einfach zu viel Holz auf dem Markt“, erläutert er. Das heißt, dass demnach beispielsweise gebrauchte Europaletten für drei oder vier Euro zu haben sind. Langemann: „Daran werden wir gemessen und daher erzielen auch wir auf squAIR-timber kaum eine Marge, obwohl wir dafür den dreifachen Preis berechnen sollten, um auskömmlich arbeiten zu können“, stellt er fest.

Dennoch: Seit Cargolux konnte sich Trilatec einen weitreichenden Kundenstamm aufbauen. Für die Vermarktung ist das Unternehmen eine Partnerschaft mit Jettainer eingegangen, einem Tochterunternehmen der Lufthansa Cargo. „Jettainer ist in der Branche gut vernetzt und managt derzeit rund 90.000 ULDs (Unit Load Devices) für 26 Airlines an 450 Flughäfen überall auf der Welt“, sagt der Geschäftsführer. Und er gibt die Hoffnung nicht auf, am Ende doch noch Gehör auch bei Branchenriesen zu finden. Denn wer squAIRtimber einmal einsetzt, sei überzeugt und benutze es künftig nur noch.
Text von Nicole de Jong
Fotos: Trilatec, Pixabay [M]
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