Panalpina Digital Hub: Neue Geschäftsmodelle für die Logistikindustrie

Der Logistikdienstleister Panalpina hat mit dem Panalpina Digital Hub einen neuen Geschäftsbereich ins Leben gerufen. Darin sollen innovative Technologien mit potenziell hohem Einfluss auf Spedition und Logistik erforscht und neue digitale Lösungen für Kunden entwickelt werden. Mehr dazu im innoFRAtor-Interview mit Luca Graf, dem Leiter des Hubs.

Luca Graf, Leiter Panalpina Digital Hub

Mit dem Panalpina Digital Hub hat Panalpina eine neue Geschäftseinheit gegründet. Was sind die Gründe dafür?

Der Panalpina Digital Hub wurde aus zwei wesentlichen Gründen ins Leben gerufen. Einerseits verändern sich die Erwartungen unserer Kunden. Was diese privat oder als Konsument als digitales Kundenerlebnis bei Amazon, Uber und anderen Unternehmen erfahren, erwarten sie nun auch von ihrem Geschäftspartner. Mit dem Digital Hub begeben wir uns auf die Suche und die Realisierung von innovativen Lösungen für unsere Kunden. Wir wollen ein gutes digitales Kundenerlebnis bieten und gleichzeitig unsere Leistungen effizienter und damit auch wirtschaftlicher erbringen. Beides war schon immer ein Versprechen von Panalpina als eines der Pionierunternehmen im internationalen Frachtgeschäft. Andererseits bietet die Digitalisierung der Wertschöpfungskette viele Chancen, neue Geschäftsopportunitäten und damit Wachstum für Panalpina zu erschließen. Wir sind ein weltweit operierender Logistikdienstleister mit wenigen physischen Assets. Da bietet sich der Aufbau neuer Geschäftsmodelle auf einer digitalen und vollautomatisierten Basis geradezu an.

„Die Zukunft der Spedition und Logistik wird offensichtlich nicht von neuen Transportarten, sondern vom digitalen Wandel geprägt“, sagte Panalpina-CEO Stefan Karlen anlässlich der Eröffnung des Hubs im Juni 2018. Welche Technologien werden den Wirtschaftsbereich Logistik Ihrer Einschätzung nach am ehesten disruptiv verändern?

Das sind nach unserer Einschätzung jene Technologien, auf die wir uns beim Digital Hub konzentrieren: Blockchain, künstliche Intelligenz beziehungsweise Predictive Analytics, IoT und Cloud-Computing. Alle diese Technologien bieten die Chance, das Kundenerlebnis maßgeblich zu verbessern und gleichzeitig die Effizienz der gesamten Industrie signifikant zu erhöhen. Natürlich werden auch fahrerlose Systeme und andere Robotersysteme ein großes Potenzial für die Logistik bieten. Nur ist dieses für Panalpina als „asset-light“-Anbieterin weniger relevant als jenes der anderen disruptiven Technologien.

Welche Trends lassen sich speziell im Bereich Luftfracht identifizieren?

In der Luftfracht sehen wir primär die Möglichkeit, mit Hilfe von IoT-Anwendungen unsere Services zu verbessern. Kunden erwarten heute, ihre Transporte jederzeit überwachen zu können. Sie wollen wissen, wo sich ihre Ware gerade befindet und welchen äußerlichen Faktoren sie während des Transports ausgesetzt ist. Dazu gehören Temperatur, Feuchtigkeit, Lichtverhältnisse sowie Erschütterungen. Wir können diese Daten zudem mittels Blockchain-Technologien absichern und so das Vertrauen in die Lieferkette und die Interaktionspartner stärken. Ebenso wollen unsere Kunden Vorhersagen über Ankunftszeiten erhalten und proaktive Lösungen angeboten bekommen, sollte sich eine Unterbrechung oder eine Verzögerung in der Transportkette abzeichnen. Hier können wir mit einer vorausschauenden Datenanalyse und dem Aufbau von künstlicher Intelligenz den Unterschied machen.

Welchen konkreten Mehrwert soll der Digital Hub Kunden von Panalpina bieten?

Der Panalpina Digital Hub baut einen Radar auf, um regelmäßig die Herausforderungen unserer Kunden auf der einen Seite und technologische Lösungen auf der anderen Seite zu erfassen. Die Herausforderungen ermitteln wir in Workshops mit unseren Kunden, technologische Lösungen sondieren wir durch die Nähe zu digitalen Ökosystemen und der engen Zusammenarbeit mit Startup-Unternehmen. Sobald wir einen Match sehen, testen wir diese Lösungen in Pilotprojekten auch zusammen mit unseren Kunden. Sollten diese Tests erfolgreich sein, entwickeln sich daraus neue Dienstleistungen. Gleichzeitig suchen wir systematisch entlang der Wertschöpfungskette nach neuen digitalen Leistungen, die wir heute nicht anbieten und einen Mehrwert für den Kunden darstellen können. Daraus können nicht nur neue Services, sondern sogar neue Geschäftsmodelle für Panalpina entstehen. Wichtig ist bei all diesen Versuchen, das Erlernte in die Organisation und an die Kundenschnittstelle weiterzutragen, um sich so kontinuierlich zu verbessern.

Panalpina ist vor kurzem der Blockchain in Transport Alliance (BiTA) beigetreten, einem internationalen Forum für die Entwicklung von Blockchain-Standards für die Frachtindustrie. Zu den Mitgliedern der Organisation zählen unter anderen auch Fedex, Gebrüder Weiss, JD Logistics, Uber Freight und UPS.

An welchen innovativen Produkten und Dienstleistungen wird aktuell bereits gearbeitet und bis wann sollen diese marktfähig sein?

Wir sind dabei, das Team aufzubauen und erste Pilotprojekte aufzugleisen. Bis Ende 2018 wollen wir eine neue digitale Geschäftsopportunität entwickelt und validiert sowie zwei Pilotprojekte konzipiert und durchgeführt haben. Bei den Piloten werden wir wahrscheinlich einen ersten Anwendungsfall für die Blockchain-Technologie ausprobieren.

Im Panalpina Digital Hub wollen Sie sich eng mit digitalen Startups vernetzen. Wie läuft das in der Praxis ab und welche Startups sind für Panalpina von besonderem Interesse?

Wir werden sehr aktiv im digitalen Ökosystem sein und zum einen an Acceleratoren-Programmen teilnehmen, zum anderen die Entstehung neuer Startups und die Entwicklung reiferer Jungunternehmen eng beobachten. Es gilt, sich attraktiv für die Zusammenarbeit mit Startups zu machen. Oft können etablierte Unternehmen nicht mit der Geschwindigkeit mithalten, die es für die Zusammenarbeit mit Startups braucht. Hierfür wollen wir uns mit dem Panalpina Digital Hub entsprechend aufstellen und Lösungen für die Herausforderungen unserer Kunden schnell testen. Ebenso werden wir Partnerschaften besprechen und auch Beteiligungen erwägen. Von besonderem Interesse sind jene Startups, die entweder an Lösungen für die Herausforderungen unserer Kunden arbeiten oder aber versuchen, neue Geschäftsmodelle in der Logistikindustrie zu etablieren.

Die Fragen stellte Benjamin Klare
Fotos: Bosch/Offenblende, Panalpina
Logo: BiTA

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