Neues Versenderportal INFr8 ermöglicht erstmals die digitale Gefahrgutdeklaration

Minimierung der Durchlaufzeit und Erhöhung der Zuverlässigkeit beim Versand von Gefahrengütern – dieser Herausforderung hat sich die Fraport AG zusammen mit der DAKOSY Datenkommunikationssystem AG angenommen und INFr8, ein neues Portal für die dokumentarische Sendungs-Abfertigung entwickelt. Das Portal macht es erstmals möglich, Gefahrgutsendungen mit einer digitalen Gefahrgutdeklaration zu versenden.

Der Luftfrachtmarkt hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Expressdienstleister haben neue Maßstäbe für den Versand von Luftfrachtgütern gesetzt. Dies hat dazu geführt, dass insbesondere die Durchlaufzeit für Gefahrgutsendungen im klassischen Luftfrachtmarkt im Vergleich zum Expressdienstleistermarkt nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

Hinzu kommt, dass jede Gefahrgutsendung eingecheckt werden muss. In einer dreistufigen Prüfung wird sie einer Dokumentenkontrolle, einer Nämlichkeitskontrolle und schließlich einer physischen Kontrolle unterzogen. Häufig werden hierbei Fehler festgestellt. Die Hauptursache hierfür ist in 80 Prozent der Fälle die papierbasierte Dangerous Goods Declaration (DGD) – ein Dokument, das gemäß den ICAO/IATA-Vorschriften vom Versender erstellt und jeder Gefahrgutsendung beigelegt werden muss. Fehler in der DGD können ausschließlich vom Versender korrigiert werden. In Folge bleiben fehlerhafte Sendungen vorerst stehen, man verliert Zeit, Buchungen und Termine werden verpasst und es entstehen hohe Zusatzkosten.

DGD mit INFr8 frühzeitig prüfen und bei Bedarf korrigieren

Der Gedanke liegt daher nah, eine Lösung zu entwickeln, die es ermöglicht die DGD frühzeitig zu überprüfen und bei Bedarf zu korrigieren. Am besten noch bevor die Sendung das Lager beim Versender verlässt. Dies haben sich auch Fraport und DAKOSY gedacht und das neue Versenderportal INFr8 entwickelt.

„WIR LÖSEN MIT DEM VERSENDERPORTAL EINE GROSSE HERAUSFORDERUNG DER AIR CARGO SUPPLY CHAIN. ALLEN BETEILIGTEN ERMÖGLICHEN WIR MEHR ZUVERLÄSSIGKEIT UND TRANSPARENZ. INSGESAMT ERREICHEN WIR EINE DEUTLICHE VEREINFACHUNG DER PROZESSE ÜBER DIE UNTERNEHMENSGRENZEN HINWEG.“

ULRICH WRAGE, VORSTAND, DAKOSY

Gemeinsam mit den Launching Customern Lufthansa Cargo und Panalpina haben die vier Unternehmen ein breites Wissens- und Erfahrungsspektrum aus allen Bereichen der Luftfracht in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe in das Projekt eingebracht. Lufthansa Cargo als eine der bedeutendsten Frachtairlines, Panalpina als weltweit tätiges Transport- und Logistikunternehmen und Fraport als Betreiber des größten Flughafens in Deutschland sowie 24 weiteren Flughäfen weltweit. Die digitale Umsetzung des Portals wurde von DAKOSY vorgenommen, dem Betreiber des Air Cargo Community Systems FAIR@Link am Frankfurter Flughafen. Die Einführung dieser weltweiten Innovation unterstreicht die Rolle des Frankfurter Flughafens als Innovationsführer im Luftfrachtmarkt.

An INFr8 sind erstmals alle Beteiligten der Luftfrachtkette angeschlossen

Das Besondere an dem digitalen Versenderportal INFr8 ist, dass erstmals alle Beteiligten der Luftfrachtkette angeschlossen sind – vom Versender bis hin zum Empfänger. Daten werden digital vom Versender übermittelt und automatisch an alle Prozessbeteiligten übertragen. Die DGD entsteht somit in elektronischer Form (eDGD), bevor sich die Ware auf die Reise macht. Sie kann dadurch frühzeitig überprüft und bei Bedarf korrigiert werden. So werden Zeitverzögerungen vermieden und ein nahtloser Durchlauf der Gefahrgutgüter gewährleistet. Die Plattform kann als ein wesentlicher Baustein innerhalb der IATAs eFreight-Initiative angesehen werden. Erstmals ist es möglich, Dokumente, die vom Versender erstellt werden, aus einer vertrauenswürdigen Quelle elektronisch zu übernehmen, in einer Dokumenten-Cloud abzulegen und allen Berechtigten zur Entnahme und Bearbeitung zur Verfügung zu stellen.

„DIE PLATTFORM INTEGRIERT ERSTMALS DEN VERSENDER IN DIE ELEKTRONISCHE INFORMATIONSKETTE DER KLASSISCHEN LUFTFRACHT. WIR ERWARTEN DADURCH KÜRZERE CHECK-IN-ZEITEN FÜR GEFAHRGÜTER UND DAMIT DEUTLICH BESCHLEUNIGTE ABFERTIGUNGSZEITEN.“

ANKE GIESEN, VORSTAND OPERATIONS, FRAPORT

Mitte September 2018 wurde die erste Sendung mit elektronischer Gefahrgutdeklaration erfolgreich versendet. Dabei handelte es sich um eine Lieferung des internationalen Pharmaunternehmens Abott aus Wiesbaden. Mit dem Lufthansa-Frachtflug LH8222 wurde die Sendung vom Frankfurter Flughafen aus nach Mexiko City geflogen. Doch dies war erst der Anfang. Der Pilotbetrieb der Versenderplattform INFr8 ist zunächst auf ein halbes Jahr ausgelegt. Anschließend, im Frühjahr 2019, wird das Portal in den Regelbetrieb übergehen. Dann sollen auch weitere interessierte Marktteilnehmer davon profitieren. Die Plattform ist unternehmens- und standortunabhängig. Schon in naher Zukunft könnte INFr8 dazu beitragen, eDGD im Luftfrachtprozess weltweit zu etablieren.

„MIT DER eDGD-WELTPREMIERE UNTERSTREICHEN WIR UNSEREN ANSPRUCH ALS BRANCHENVORREITER IN SACHEN DIGITALISIERUNG. GEMEINSAM MIT VERSENDERN, SPEDITEUREN UND FLUGHÄFEN KÖNNEN WIR HIER NOCH VIEL ERREICHEN.“

SÖREN STARK, VORSTAND OPERATIONS UND COO, LUFTHANSA CARGO

Auch das System selbst bietet noch viel Spielraum für Weiterentwicklungen. So ist es durchaus vorstellbar, INFr8 für den Versand weiterer Produktgruppen wie Pharmagütern zu nutzen. Dadurch kann das Portal ein zentrales, integriertes System in der Luftfrachtabfertigung werden und die Übermittlung weiterer Transportdokumente wie Handelsrechnungen, Ursprungserzeugnissen, Lizenznachweisen oder Garantien einfach und zuverlässig gewährleisten.

Text von Behrend Oldenburg
Fotos: Lufthansa Cargo, Fraport, DAKOSY

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