Lufthansa Technik testet Cockpit-Panels jetzt vollautomatisch

Projektleiter Florian Sell von Lufthansa Technik mit einem Cockpit-Testpanel und dem Prüfroboter RoCCET

Die Schalter der Instrumente im Cockpit eines Flugzeugs werden ungezählte Male bedient – nicht nur von den Piloten, sondern auch von den Technikern während der Wartung oder Reparatur. Die einen drücken kräftig, die anderen vorsichtig den Schalter. Und wenn eine LED leicht flimmert, sehen die einen darüber hinweg, die anderen fühlen sich davon gestört. Mit der Zeit sind die Schalter ausgeleiert oder lose, die langlebigen LED verlieren an Leuchtkraft. Wann sie ausgetauscht werden, war bisher von der subjektiven Einschätzung des Bedieners abhängig.

Ein von der Lufthansa Technik AG entwickelter Roboter setzt nun neue Standards: Die Weltneuheit Robot Controlled Cockpit Electronics Testing, kurz RoCCET, führt vollautomatische Tests an Cockpit-Bedieneinheiten durch. Der Roboter ist mit Sensoren und Industriekameras ausgestattet. Die Sensoren messen die Kräfte, die bei der Bedienung auf die Schalter wirken, die Kameras erfassen aus verschiedenen Blickwinkeln äußere Beschädigungen und die Lichtstärke sämtlicher Anzeigen. Damit ist der Roboter in der Lage, alle Schalter und Leuchten wie ein Mensch zu überprüfen, aber innerhalb definierter physikalischer Grenzwerte. „Zu dunkel“ oder „zu locker“ ist dann keine Ermessenssache mehr, sondern alles, was von diesen physikalischen Grenzwerten abweicht.

Im Sinne der Preventive Maintenance können mithilfe des sogenannten Data Mining genauere Voraussagen über die voraussichtliche Lebensdauer der Schalter und LEDs getroffen werden. Das geschieht, indem vorhandene Flugzeugdaten und die mittels RoCCET generierten Daten analysiert und zusammen ausgewertet werden. „Wir können nun entscheiden, ob wir einen Schalter oder eine LED bereits im Rahmen des aktuellen, planmäßigen Werkstattaufenthaltes präventiv wechseln. So vermeiden wir einen späteren unplanmäßigen Werkstattaufenthalt, der durch den Ausfall des Schalters im laufenden Betrieb nötig werden würde“, erklärt Projektleiter Florian Sell. „Dadurch können wir deutlich die Zuverlässigkeit der Geräte steigern.“

Ein wesentlicher Vorteil ist die Zeitersparnis bei der Überprüfung eines einzelnen Panels: Bisher dauerte der Test eines Panels ein bis zwei Stunden. Wenn RoCCET nun künftig diese Arbeit übernimmt, haben die Lufthansa-Techniker entsprechend mehr Zeit zur Verfügung, um sich anderen Aufgaben wie konzentrierte Fehlersuche und Reparaturen zu widmen.

Das RoCCET-Verfahren wurde im Zeitraum Mitte 2016 bis Ende 2018 von dem Bereich Aircraft Component Services der Lufthansa Technik entwickelt. Derzeit wird RoCCET in den laufenden Betrieb integriert. In dieser Phase wird nach und nach der bestehende Prozess mit dem vollautomatischen Prozess ersetzt. „Das geschieht bewusst stückweise, um mögliche Schwachstellen frühzeitig zu entdecken und die Anlage zu verbessern“, heißt es von Lufthansa Technik. Grundsätzlich ist die Automatisierung immer eine wirtschaftliche Einzelfallentscheidung. „Wie sich das auf einzelne Standorte auswirken wird, darüber können wir aktuell noch keine Aussage treffen“, teilt Lufthansa Technik mit.

RoCCET soll im Laufe des Jahres zunächst an den Flugzeugmustern Airbus A320 (gesamte A320-Familie) und A350 sowie Boeing 787 zum Einsatz kommen. Da der Lufthansa-Konzern selbst keine B787 betreibt, werden also auch Cockpit-Panels von Flugzeugen externer Kunden mit RoCCET getestet. Langfristig soll RoCCET für Cockpit- und Kabinen-Bedieneinheiten aller Flugzeugmuster an allen Lufthansa-Technik-Standorten eingesetzt werden.

Text: Corinna Panek
Fotos: Lufthansa Technik