Lufthansa Cargo fliegt mit Freightos auf Digitalisierungskurs

Die Kranich-Airline treibt die Digitalisierung ihrer Prozesse voran. Eine Kooperation mit dem Internetplattform-Anbieter Freightos ermöglicht jetzt angeschlossenen Luftfrachtspediteuren den digitalen Zugriff nicht nur auf Preise und Kapazitäten, sondern auch eine direkte Buchung.
Die manuellen Prozesse in der Luftfrachtbranche kosten viel Zeit – und damit Geld: Während Cargoflüge nur wenige Stunden dauern, beträgt die gesamte Transitzeit oft immer noch mehrere Tage. Mit der weiteren Digitalisierung, vor allem bei der Buchung der eigenen Frachtkapazitäten, will Lufthansa Cargo für Geschwindigkeit sorgen. Seit wenigen Monaten arbeitet die Kranich-Airline dazu mit der Online-Plattform Freightos WebCargo zusammen. Informationen über Raten, Zuschläge und freie Kapazitäten können die Lufthansa Cargo-Kunden jetzt nicht nur per Mausklick online abrufen, sondern auch – und das ist neu in der Branche – sofort zu Echtzeitpreisen buchen. Hunderte Spediteure, die bereits mit Freightos WebCargo arbeiten, haben damit ein E-Booking-Tool zur Verfügung, das die Arbeit deutlich beschleunigen wird. Noch läuft die Anwendung nur für die größten europäischen Luftfracht-Märkte, soll aber in den kommenden Monaten weltweit ausgebaut werden.

Von Beginn an war das Speditionsunternehmen Röhlig Logistics mit Hauptsitz in Bremen in die Pilotphase der neuen IT-Lösung eingebunden. „Durch die neue Buchungs-Funktionalität wird es für uns einfacher“, berichtet Dirk Schneider, seit 2013 bei Röhlig als Global Airfreight Director an Bord. „Für unsere Mitarbeiter war der Buchungsprozess bislang zweigeteilt, sie konnten zwar über die Anwendung WebCargoNet die Raten der Airlines einsehen, die Sendungen aber nicht buchen. Dazu mussten sie entweder bei den Fluggesellschaften anrufen oder auf deren Internetseiten gehen. Das war relativ aufwändig. Leider gibt es die neue Buchungsfunktionalität bislang nur bei Lufthansa Cargo.“

Welche Kosten Schneider seinem Unternehmen mit der Buchungsplattform spart, mag er noch nicht beziffern: „Das sind kleine Verbesserungen, die uns helfen, effizienter zu werden, wie wir es mit der Digitalisierung und Automatisierung aller unserer Prozesse anstreben.“

Möglich wird die direkte Buchung durch eine komplexe Schnittstellenprogrammierung, die Lufthansa Cargo mit einem Application Programming Interface, kurz API, möglich macht. Nur so kann Freightos WebCargo direkt und digital an die relevanten Daten der Airline andocken.

„ALLE REDEN ÜBER DIE DIGITALISIERUNG IN DER LUFTFRACHT, ABER MEISTENS IST DAS NUR GEREDE“

ZVI SCHREIBER, CEO VON FREIGHTOS

„Alle reden über die Digitalisierung in der Luftfracht, aber meistens ist das nur Gerede“, sagt Zvi Schreiber. Er ist CEO von Freightos und hat bereits in den vergangenen Jahren die nach eigenen Angaben weltweit größte Luftfrachttarif-Datenbank aufgebaut, die jedoch lediglich eine manuelle Ad-hoc-Preisfindung unterstützt. „Die jetzt mögliche On-Demand-Buchung ist ein echter Quantensprung. Sie bewirkt auch, dass die Fracht schneller ans Ziel kommt, weil sich die Transitzeit bis zu einem Tag verkürzt. Das spart Dutzende von Dollars pro Sendung ein.“

Global Airfreight Director Schneider plant freilich schon einen Schritt weiter: „Denkbar ist es, dass wir mit unseren Röhlig-Systemen in Zukunft direkt mit den Buchungslösungen von Lufthansa Cargo und auch anderen Airlines kommunizieren. Dann müssten unsere Mitarbeiter nicht mehr den Weg über das Portal gehen. Das würde einiges bringen – erste Gespräche führen wir bereits.“

Text von Behrend Oldenburg
Fotos: Freightos, Lufthansa Cargo
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