Luftfahrt-Innovationen

für die Mobilität von morgen

Schlaue Ideen, hoher Nutzen und leichte Umsetzbarkeit – damit punkteten die Sieger beim Innovationspreis der Deutschen Luftfahrt 2017. Der mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Preis soll als Sprungbrett dienen, um neue Produkte im Markt zu etablieren. Hinter dem Preis stehen die wichtigsten Vertreter der Luftfahrt in Deutschland: der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der Digitalverband Bitkom, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der Beratungs- und Ingenieurdienstleister P3 group. Über 50 Konzerne, kleine und mittelständische Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen hatten sich beworben. Vier Unternehmen zeichnete die siebenköpfige Experten-Jury aus.

„BLUMENSTRAUSS“ HILFT TREIBSTOFF SPAREN

Der Augsburger Luftfahrtzulieferer Premium AEROTEC überzeugte die Jury mit einem Strukturbauteil, das natürlichen Formen nachempfunden ist: einen Halter für den hinteren Türrahmenbereich im Airbus A350 XWB. Er ist das erste bionisch inspirierte Strukturbauteil für Flugzeuge, das in Serie produziert wird. Der Halter wird im 3D-Druck aus Titan hergestellt. Das spart Material und ermöglicht die geschwungene Struktur. Durch die organische Form ist er 64 Prozent leichter als herkömmliche Halter und senkt dadurch Kerosinverbrauch und CO2-Ausstoß. Hochgerechnet auf 30 Jahre kann die weltweite A350-Flotte damit 875 Tonnen Kohlendioxid einsparen.

„BLUMENSTRAUSS“ – so nennt Premium AEROTEC den Halter wegen seiner Form, die lebenden Strukturen nachempfunden ist. Links daneben das herkömmliche Bauteil.

Mehr als eine Drohne

Mit einer Kombination aus Drohne und Tragflügelflugzeug holte sich die Darmstädter Firma Wingcopter den Innovationspreis. Das Besondere am Wingcopter 178 sind seine vier um 90 Grad schwenkbaren Rotoren, mit denen er überall vertikal starten und landen kann. Zugleich erreicht er Flugzeiten von zwei Stunden, eine Reichweite von 100 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde – deutlich mehr als herkömmliche Drohnen. Durch das aerodynamische Design und die Schwenkrotoren liegt der Wingcopter auch bei schwierigen Wetterbedingungen stabil in der Luft. Das macht ihn zum perfekten Helfer für Vermessungen, Inspektionen und Transporteinsätze.

Der Wingcopter ist schon vielfältig im Einsatz: Für die Dubai Electricity and Water Authority inspiziert er Hochspannungsleitungen, für die Zoological Society in London kartiert er den indonesischen Regenwald und in Tansania transportiert er Medikamente für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Gedruckte Elektrik

Der Flugzeughersteller Airbus ging mit „Printed Electrics“ ins Rennen: Die gedruckten elektrischen Verbindungen aus leitfähiger Tinte könnten die Stromversorgung im Flugzeug revolutionieren. Das Verfahren wird in anderen Bereichen bereits für viele elektronische Bauelemente wie Leuchtdioden, Sensoren oder Anzeigesysteme eingesetzt. Ein Airbus-Team aus Hamburg hat es für die Luftfahrt optimiert. Dabei wird mit einem Tintenstrahldrucker eine mit Silberpartikeln versetzte, leitfähige Tinte auf Kunststofffolie gedruckt und mit einer schützenden Lackschicht überzogen. Vorteile gegenüber dicken Kabelbündeln: weniger Gewicht, geringere Kosten, flexiblere Kabinengestaltung. Die gedruckten Leiter können für verschiedene Kabinensysteme genutzt werden, wie etwa Beleuchtung, Klimaanlage oder Datenübertragung.

Licht gegen Jetlag

Rötlich-warm zu Beginn eines Nachtfluges, bläulich-kühl vor der Landung: Mit speziellem Kabinenlicht sagt jetlite dem Jetlag den Kampf an. Das Hamburger Start-up-Unternehmen hat einen Algorithmus entwickelt, der die Kabinenbeleuchtung auf Langstreckenflügen steuert. Er berücksichtigt Flugzeiten, -dauer und -richtung, Zeitzonen, Tageslicht sowie Jahreszeiten am Start- und Zielort. Verschiedene Lichtszenarien regulieren die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, sorgen so für einen guten Schlaf und unterstützen den menschlichen Biorhythmus. Das ganzheitliche Konzept schließt auch individuelle Ernährungspläne für das Catering an Bord und an Flughäfen mit ein. Ergänzend dazu macht eine App Vorschläge in Bezug auf Schlafphasen, Beleuchtung und Ernährung vor und nach dem Flug – abgestimmt auf die innere Uhr des einzelnen Fluggastes.

Text von Gesine Oltmanns
Fotos: Hessen schafft Wissen/Steffen Böttcher (Artikelfoto), Premium AEROTEC, Wingcopter

Share This