Lizenz zum Drohnen-Fliegen: Auch nachts und außerhalb der Sichtweite

Noch vor wenigen Jahren hielten viele Experten kommerzielle Drohnenflüge von Kurier- und Expressdienstleistern für einen PR-Gag. Jetzt liefern in den USA Drohnen regelmäßig Paketzustellungen aus – und zwar mit dem Segen der amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde, der Federal Aviation Administration, kurz FAA.

Das Unternehmen UPS Flight Forward, ein Tochterunternehmen des Paketgiganten United Parcel Service (UPS), hat nach eigenen Angaben zum ersten Mal überhaupt von der zum US-amerikanischen Verkehrsministerium gehörenden FAA eine Zertifizierung für den Einsatz kommerzieller Drohnen in seinem Netzwerk beantragt und auch erhalten.

Konkret handelt es sich dabei um die FAA-Regulierung „Part 135“, mit der Drohnenflüge auch außerhalb der Sichtlinie des Piloten und das sowohl tagsüber als auch nachts genehmigt werden. Solche Flüge sind in den USA aus Sicherheitsgründen stark reglementiert und werden nur in Ausnahmefällen zugelassen. „Die Gründung unseres neuen Drohnen-Lieferunternehmens und die erfolgreiche Beantragung der Zertifizierung für den regulären Betrieb ist nicht nur für UPS, sondern die Drohnen- und Logistikbranche insgesamt von historischer Bedeutung“, freut sich UPS Chief Transformation and Strategy Officer Scott Price. Im Gegensatz zu den deutlich eingeschränkteren FAA-Zertifizierungen für Drohnenflüge anderer Unternehmen sei es UPS Flight Forward jetzt möglich, im rechtlichen Rahmen eines zertifizierten Luftfahrtunternehmens aktiv zu sein.

Aktuell konzentriert sich UPS nach eigenen Angaben auf die Zustellung von dringenden Medizinprodukten, Blut oder anderen medizinischen Produkten von Krankenhäusern und Laboren in den USA. So ergänzt beispielsweise auf dem Campus des Krankenhauses WakeMed in Raleigh im Bundesstaat North Carolina ein so genannter Quadrokopter (mit vier nach unten wirkenden Propellern, daher der Name Quadro) des Schweizer Drohnenherstellers Matternet die konventionellen Kurierdienste auf dem Boden. Weitere Krankenhäuser in der Umgebung sollen in den kommenden Monaten an das Drohnennetz angeschlossen werden.

„WIR SCHREIBEN GERADE GESCHICHTE, UND WIR SIND NOCH NICHT FERTIG. UNSERE TECHNOLOGIE ÖFFNET TÜREN FÜR UPS UND LÖST PROBLEME AUF EINZIGARTIGE WEISE FÜR UNSERE KUNDEN. IN KÜRZE WERDEN WIR WEITERE SCHRITTE ANKÜNDIGEN, UM UNSERE INFRASTRUKTUR AUSZUBAUEN, DIE DIENSTLEISTUNGEN NICHT NUR FÜR ANWENDER AUS DEM GESUNDHEITSWESEN ZU ERWEITERN UND DAMIT DROHNEN KÜNFTIG AUF GANZ NEUEN WEGEN ZU NUTZEN.“

DAVID ABNEY, CHIEF EXECUTIVE OFFICER VON UPS

„WIR SCHREIBEN GERADE GESCHICHTE, UND WIR SIND NOCH NICHT FERTIG. UNSERE TECHNOLOGIE ÖFFNET TÜREN FÜR UPS UND LÖST PROBLEME AUF EINZIGARTIGE WEISE FÜR UNSERE KUNDEN. IN KÜRZE WERDEN WIR WEITERE SCHRITTE ANKÜNDIGEN, UM UNSERE INFRASTRUKTUR AUSZUBAUEN, DIE DIENSTLEISTUNGEN NICHT NUR FÜR ANWENDER AUS DEM GESUNDHEITSWESEN ZU ERWEITERN UND DAMIT DROHNEN KÜNFTIG AUF GANZ NEUEN WEGEN ZU NUTZEN.“

DAVID ABNEY, CHIEF EXECUTIVE OFFICER VON UPS

„Wir schreiben gerade Geschichte, und wir sind noch nicht fertig. Unsere Technologie öffnet Türen für UPS und löst Probleme auf einzigartige Weise für unsere Kunden.  So werden wir unsere Dienstleistungen künftig nicht nur für Anwender aus dem Gesundheitswesen anbieten, sondern auch für viele andere Bereiche“, kündigt David Abney, Chief Executive Officer von UPS, an.

Im Rahmen des Ausbaus des Drohnengeschäfts soll eine große Kontrollzentrale in den USA entstehen. Außerdem plant UPS Partnerschaften mit anderen Drohnenherstellern, um künftig auch größere Sendungen ausliefern zu können.

Mit dieser Strategie ist UPS Flight Forward natürlich längst nicht allein unterwegs. Auch der Google-Mutterkonzern Alphabet hat für sein Tochterunternehmen Wing mittlerweile eine Zulassung der FAA für die Zustellung kommerzieller Pakete per Drohne erhalten – allerdings mit Einschränkungen. Im Gegensatz zu UPS handelt es sich nicht um ein „Standard“-Zertifikat, sondern nur um ein so genanntes „Single Pilot Air Carrier“-Zertifikat, was den Einsatz eines speziellen Piloten erfordert.

So können sich die Bewohner der Stadt Christiansburg im US-Bundesstaat Virginia seit Ende Oktober 2019 per Drohne beliefern lassen. Wing ist dabei zunächst für die Drogeriekette Walgreens, den örtlichen Süßigkeitenhändler Sugar Magnolia und den Transportdienstleister Fedex, einer der größten UPS-Wettbewerber, unterwegs. Generell soll das System offen für weitere Partner sein.

Die Bestellungen bei den Einzelhändlern nehmen die Kunden per App vor. Bei den Fedex-Lieferungen ersetzt die Drohne in einem Radius von rund zehn Kilometern den Lieferwagen vom letzten Transportzentrum zum Kunden. Dabei können die Kunden die Lieferung terminlich vorgeben. Voraussetzung: Das zu liefernde Paket muss von seinen Maßen und seinem Gewicht her (maximal 1,5 Kilogramm) natürlich drohnentauglich sein. Die dadurch eingeschränkte Produktauswahl wird in der Wing-App bereits berücksichtigt.

„DIE GRÜNDUNG UNSERES NEUEN DROHNEN-LIEFERUNTERNEHMENS UND DIE ERFOLGREICHE BEANTRAGUNG DER ZERTIFIZIERUNG FÜR DEN REGULÄREN BETRIEB IST NICHT NUR FÜR UPS, SONDERN DIE DROHNEN- UND LOGISTIKBRANCHE INSGESAMT VON HISTORISCHER BEDEUTUNG.“

SCOTT PRICE, CHIEF TRANSFORMATION AND STRATEGY OFFICER BEI UPS

„DIE GRÜNDUNG UNSERES NEUEN DROHNEN-LIEFERUNTERNEHMENS UND DIE ERFOLGREICHE BEANTRAGUNG DER ZERTIFIZIERUNG FÜR DEN REGULÄREN BETRIEB IST NICHT NUR FÜR UPS, SONDERN DIE DROHNEN- UND LOGISTIKBRANCHE INSGESAMT VON HISTORISCHER BEDEUTUNG.“

SCOTT PRICE, CHIEF TRANSFORMATION AND STRATEGY OFFICER BEI UPS

Die eingesetzten Drohnen unterscheiden sich in ihrer Technik deutlich von den UPS-Geräten, sie ähneln eher einem Flugzeug als einem Hubschrauber. Sie haben eine Spannweite von einem Meter, wiegen knapp fünf Kilogramm und erreichen hohe Geschwindigkeiten von bis zu 110 Stundenkilometern.

Ist der vorher definierte Lieferpunkt auf dem Grundstück des Empfängers erreicht, werden die Bestellungen abgeseilt und am Boden automatisch ausgeklinkt, der Empfänger erhält dann eine Benachrichtigung über seine App.

Diese Entwicklung lässt natürlich auch den Versandhandelskonzern Amazon nicht ruhen. Er hat ebenfalls einen Antrag bei der Luftfahrtbehörde FAA gestellt, um möglichst bald in das luftgestützte Liefergeschäft einsteigen zu können. Einen Namen gibt es auch schon – auch wenn Amazon in diesem Fall UPS und Wing den Vortritt lassen musste und nicht der erste ist: „Prime Air“.

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Text von Behrend Oldenburg
Videos und Fotos: UPS, Wing
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