Kühne + Nagel: Vom Forwarder zum E-Warder mit KN FreightNet

Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht mindestens ein neues Start-up den Logistikmarkt betritt. Die jungen Unternehmen haben ein großes Ziel: Mit digitalisierten Geschäftsabläufen den etablierten Speditionen Marktanteile abzunehmen. Angebote einholen und vergleichen, Aufträge erteilen, Sendungen verfolgen – das alles sind für die an der Logistikkette beteiligten Unternehmen zeitaufwändige und kostspielige Prozesse, die jedoch nicht nur Start-ups radikal verschlanken wollen. Auch für Kühne + Nagel ist diese Vorgehensweise nicht neu.

Mit fast 130-jähriger Erfahrung gehört Kühne + Nagel weltweit zu den führenden Anbietern von Logistikdienstleistungen und ist nach eigenen Angaben der zweitgrößte globale Aircargo-Versender. Die Luftfrachtexperten in rund 300 Luftfrachtbüros weltweit bewegen Jahr für Jahr über eine Million Tonnen Luftfracht. Die neuen digitalen Herausforderer treiben Dr. Hansjörg Rodi keine Schweißperlen auf die Stirn: „Wir beobachten mit großem Interesse, was die Start-ups machen“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung von Kühne + Nagel Deutschland vor kurzem in einem Interview. „Mit einzelnen dieser Unternehmen arbeiten wir auch gezielt zusammen. Allerdings haben wir weiterhin selbst den Anspruch, technologischer Marktführer zu sein. Dafür stehen wir beispielsweise mit unserer Online-Plattform KN FreightNet.“

In der Tat: Das, was die Logistik-Start-ups heute können, bietet Kühne + Nagel seinen Kunden schon seit einigen Jahren an, nämlich seit 2014. KN FreightNet ist eine Online-Plattform für Kundenanfragen, Buchungen und vor allem das Tracking. Entwickelt wurde sie zunächst für die Luftfrachtsparte. Wegen des großen Erfolgs hat das Unternehmen KN FreightNet seit 2015 auch für die unkomplizierte Buchung von Seeverkehren und seit kurzem auch für Landverkehre freigeschaltet. Kühne + Nagel möchte mit der Plattform vor allem diejenigen Verlader ansprechen, die ihr Aircargo-Aufkommen nicht durch konventionelle Ausschreibungen vergeben, sondern sich die entsprechenden Quotierungen über das Internet besorgen und dann auch online, statt per Telefon, Mail oder Fax, buchen.

So funktioniert KN FreightNet

Der Kunde gibt zunächst eine Postleitzahl für die Abhol- und Lieferadresse ein und kann dabei verschiedene Optionen anklicken, beispielsweise zu den gewünschten Lieferzeiten. Aus den Angaben zur Ware, zu „Volume“ und „Weight“ errechnet die Plattform schließlich das „Chargable Weight“ nach IATA-Standards. Abschließend fragt KN FreightNet Informationen beispielsweise zu Lieferdatum und den Zahlungsmodalitäten ab, bevor das System dem Kunden drei Liefertarife vorschlägt: Mit „KN Extend“ erhält der Versender den Basistarif, „KN Expert“ sorgt für einen zügigeren Transport und „KN Express“ lässt die Ware so schnell wie möglich ans Ziel fliegen. Alle Angebote sind „All in“, also einschließlich Treibstoff- und Sicherheitszuschlägen, und enthalten auch die jeweiligen geschätzten Transitzeiten. Mit einer „Click-to-Track“-Funktion können die Kunden außerdem aktuelle Statusinformationen für alle Luftfrachtsendungen abfragen, die innerhalb der vergangenen 90 Tage über die Plattform in Auftrag gegeben wurden.

Nicht zuletzt durch die breite Einführung von KN FreightNet über alle Verkehrsträger hinweg ändern sich auch die Anforderungen an das Unternehmen und seine Mitarbeiter, betonte Dr. Detlef Trefzger, CEO der Kühne + Nagel International AG: „Aus dem Forwarder wird ein „E-Warder“, also ein Experte, der aus den gewonnenen Daten die Supply Chain des Kunden sogar vorausschauend optimieren kann.“ Ein Punkt ist ihm vor dem Hintergrund dieser Transformation jedoch besonders wichtig: „Wir bleiben weiterhin ein klassisches Speditions- und Logistik-Unternehmen, aber eben eines mit hoher Technologie- und IT-Kompetenz.“

Text von Behrend Oldenburg
Symbolfoto: Fotolia/ake1150
Screenshot: Kühne + Nagel

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