In 10.000 Metern Höhe: Konferenzen über das Fliegen

FlyingLab heißt das Konferenzformat, mit der die Lufthansa ihre Passagiere in 10.000 Metern Höhe über aktuelle Themen rund um das Fliegen informiert. Die Themen reichen vom neuen Design der Fluggesellschaft bis hin zur Verbesserung des Services an Bord durch Datenbrillen für die Flugbegleiter.

Ob ganz klassisch im Saal mit Stühlen, Bühne und Rednerpult, ob per Telefon oder Video von verschiedensten Orten auf der Welt: Konferenzen sind auch im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung unverzichtbares Instrument für den persönlichen Gedankenaustausch. Das weiß auch die Lufthansa. Mit ihrem FlyingLab lädt sie in unregelmäßigen Abständen interessierte Fluggäste, die zufällig an Bord sind, zur Teilnahme an exklusiven Konferenzen über den Wolken ein. Wenig überraschend sind die Themen: Es geht dabei um das Fliegen, vor allem in der Zukunft.

„Das FlyingLab ist mit seinem experimentellen Charakter eine Art Grundlagenforschung für uns“, sagt Alexander Schlaubitz. Er ist Marketing-Chef der Kranich-Airline. „Wir bringen als Marke Menschen zusammen, verbinden sie und ermöglichen neue Erfahrungen. Mit dem FlyingLab stellen wir unseren Gästen direkt an Bord neue Services, Produkte oder Themen vor und bekommen eine unmittelbare Rückmeldung von ihnen.“

Dabei muss es nicht immer gleich um visionäre Zukunftsthemen gehen: Als kürzlich eine Boeing 747-8 als erste Lufthansa-Maschine im neuen Design von Frankfurt aus zum Flug über den Nordatlantik nach New York abhob, sprach Schlaubitz vor seinen Fluggästen als einer von sechs Experten über die Bedeutung des Re-Designs für sein Unternehmen. Er erklärte, wie wichtig Demut bei der Weiterentwicklung einer starken Marke ist, wie das neue Design das Premiumverständnis der Airline transportiert und wo die Farbe Gelb künftig eingesetzt wird.

Doch der Marketingchef tat das nicht klassisch im Stehen und mit einem Mikrofon in der Hand lediglich für die ersten Reihen im Flugzeug, sondern in einem kleinen TV-Studio, das Techniker wenige Minuten nach dem Start im Gang zwischen der First und der Business Class auf zweieinhalb Quadratmetern aufgebaut hatten. Wer von den Fluggästen an dieser Form der Konferenz in 10.000 Metern Höhe teilnehmen wollte, loggte sich über ein extra an Bord installiertes, zweites WLAN-Netzwerk mit seinem Smartphone, Notebook oder Tablet ein. Und das waren nicht wenige der 357 Passagiere, die auf diesem Flug an Bord waren: Zwischenzeitlich nahmen zwei Drittel von Ihnen am insgesamt zweistündigen FlyingLab teil. Das zweiköpfige Regieteam sorgte dafür, dass es den Zuschauern dabei nicht langweilig wurde: Eingespielte Bilder und Videos lockerten die 15-minütigen Vorträge auf, Fragen der Teilnehmer wurden interaktiv aufgenommen und von den Referenten beantwortet.

Zwei Beispiele, die Fluggästen erstmals im FlyingLab der Lufthansa vorgestellt wurden: Mit der Web-Applikation LYRA und einer Datenbrille liest die Kabinencrew ihren Passagieren Wünsche künftig von den Augen ab.

Wünsche werden künftig von den Augen abgelesen

Das FlyingLab steht auch Lufthansa-Partnern für Präsentationen offen. Und so hätten sich die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“ kaum einen besseren Veranstaltungsort als ein Flugzeug aussuchen können: Den Passagieren wurden an Bord einer A380 auf dem Flug von Frankfurt nach Houston gleich mehrere Neuentwicklungen vorgestellt, die das Fliegen zukünftig smarter und komfortabler machen sollen.

So rückt die visionäre Konzeptstudie Smart Chair den privaten Raum des Passagiers in den Reiseklassen Economy und Business in den Fokus. Jedem Fluggast soll im Flugzeugsitz von morgen auch auf kleinem Raum ein ganz individuelles Erlebnis geboten werden, vor allem beim Entertainment-Programm. Möglich macht dies eine Art Visier, das vor dem Sitz aufgefaltet und rund um das Gesicht des Passagiers geklappt wird. Anstelle des üblichen kleinen Flachbildschirms in der Rückenlehne des Vordersitzes übernimmt ein gebogenes, großes Display die kabellose Bildübertragung. Der neue Sitz soll durch die Abschirmung für deutlich mehr Privatsphäre sorgen und gleichzeitig seinen Nutzer auf Wunsch wärmen, kühlen und massieren können.

Bei der Konzeptstudie Smart Chair hat die Privatsphäre des Passagiers Priorität.

Auf den Bereich Fashion zielt die Idee einer temperaturregulierenden Decke für Passagiere ab: Sie erinnert an ein Cape, das vor statt hinter dem Körper getragen wird. Angenähte Ärmel ermöglichen dem Fluggast beim Sitzen eine größere Bewegungsfreiheit. Aussparungen für den Sicherheitsgurt sorgen dafür, dass dieser sichtbar für die Kabinencrew angelegt werden kann und der Fluggast für Checks vor der Landung oder bei Turbulenzen nicht geweckt werden muss.

Ein weiterer, an Bord vorgestellter Prototyp ist die Web-Applikation LYRA Connect. Sie möchte die Kommunikation zwischen Passagieren und der Kabinencrew, und damit den individuellen Service an Bord, deutlich verbessern. Die Wünsche der Fluggäste lassen sich künftig im wahrsten Sinne des Wortes von den Augen (des Flugbegleiters) ablesen. Dazu senden die Passagiere dem Flugpersonal mit ihren eigenen Mobilgeräten Anfragen nach Getränken oder Anschlussflügen. Der nächste Flugbegleiter bekommt die Anfrage über seine aufgesetzten Smart Glasses direkt vor die Augen eingespielt und weiß sofort, wer wann was bestellt oder gefragt hat. Außerdem lassen sich so auch voreingestellte Informationen beispielsweise über die Muttersprache oder Lieblingsspeisen der Fluggäste abrufen.

Auch wenn Lufthansa bereits mehrere erfolgreiche Events dieser Art an Bord durchgeführt hat – Routine ist noch lange nicht eingekehrt: „Wir lernen immer noch etwas dazu“, sagt Richard Trtanj, der das FlyingLab exklusiv für die Kranich-Airline betreut. „Das Format entwickelt sich weiter und wir uns mit.“

Die nächsten FlyingLab-Termine: www.flyinglab.aero
Text von Behrend Oldenburg
Fotos: Lufthansa FlyingLab, Deutsche Telekom

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