Google-Projekt Loon: Internet-Ballons stellen Breitbandversorgung sicher

Sie fliegen in 20 Kilometern Höhe und sind bis heute bereits mehr als 30 Millionen Kilometer um die Welt gereist. Die Rede ist von Internet-Ballons der Firma Loon, einer Tochtergesellschaft der Google-Mutter Alphabet. Zusammen mit dem Telekommunikationsanbieter Telkom Kenia will Loon die Ballons 2019 erstmals kommerziell in Afrika einsetzen. Ziel ist es, den Menschen in bergigen und unzugänglichen Regionen Kenias Zugang zum Internet zu ermöglichen, in denen der Aufwand für ein terrestrisches Netz zu groß wäre. Der Loon-Dienst soll diese Versorgungslücke schließen und dort den aktuellen 4G/LTE-Mobilfunkstandard bereitstellen.

Nach Angaben der Internationalen Fernmeldeunion lebt weltweit jeder sechste Mensch außerhalb der Reichweite von mobilen Breitbanddiensten und nur jeder zweite Mensch verfügt über Zugang zum Internet. Der Anschluss an die digitale Welt, also die Möglichkeit, Breitbanddienste und  schnelles Internet zu nutzen, spielt jedoch für die Verbesserung der Lebensgrundlagen der Menschen und das Wirtschaftswachstums gerade in wenig entwickelten Ländern eine wichtige Rolle, wie ein aktueller Bericht der Breitbandkommission der Vereinten Nationen (UNO) zeigt. Die als „fliegende Mobilfunkmasten“ fungierenden Loon-Ballons sind ein innovativer Ansatz, diese Erkenntnis nun in der Praxis umzusetzen. Mit Gas gefüllt und solarbetrieben, dienen sie als schwebende Relaisstationen und bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten: Sie können nicht nur die Internet-Konnektivität auf ländliche Gebiete ausdehnen, sondern auch die Netzstabilität im Katastrophenfall verbessern.

Entwickelt wurde die Technologie im Alphabet-Innovationslabor X. Erste Probeflüge fanden 2013 in Nevada und in Neuseeland statt. Im Praxiseinsatz bewährt haben sich die Ballons Anfang 2017 bei einer Flutkatastrophe in Peru: In Kooperation mit der Regierung und dem Telekommunikationsanbieter Telefonica verbesserte Loon die Netzstabilität in den betroffenen Überschwemmungsgebieten.

Loon Launcher: Alle 30 Minuten kann ein neuer Ballon vom Boden aus in die Stratosphäre starten. Die hohen Seitenwände der Rampe schützen vor Wind, wenn der Ballon gefüllt und in die Startposition gehoben wird.

Loon: Vorteile und Funktionsweise der Internet-Ballons

Um unabhängig vom Wetter agieren zu können und keine Gefahr für den Flugverkehr darzustellen, steigen die 12 Meter hohen und 15 Meter breiten Loon-Ballons bis in die Stratosphäre auf. Dort, 20 Kilometer über dem Erdboden, sorgt ein von Google entwickelter Algorithmus dafür, dass der Ballon autonom agieren, also selbstständig auf- und absteigen und seine Position anpassen kann. Die Einheiten können untereinander kommunizieren und dadurch ein vollständiges Kommunikationsnetzwerk aufbauen.

Während der Sendebereich eines Mobilfunkmastes durch die Höhe seiner Antennen begrenzt wird, können die über den Wolken schwebenden Ballons Internet-Konnektivität mit Verbindungsgeschwindigkeiten von bis zu 10 Mbit/s über eine deutlich größere Fläche herstellen. Die aktuelle Reichweite, in der ein Ballon Internet über LTE bereitstellen kann, beträgt 40 Kilometer. In der Luft bleiben kann er Unternehmensangaben zufolge länger als 100 Tage.

Die Position jedes Ballons wird mithilfe von GPS getrackt und vom Loon-Team in Abstimmung mit der lokalen Flugsicherung koordiniert. Soll ein Ballon außer Betrieb genommen werden, wird das Gas freigesetzt, das ihn in der Luft hält, und automatisch ein Fallschirm entfaltet. Der kontrollierte Abstieg des Flugkörpers, der anschließend recycelt oder sogar wiederverwendet werden kann, erfolgt auf möglichst dünn besiedelten Gebieten.

Text von Benjamin Klare
Fotos: iLite (Flickr/CC BY 2.0), X, Loon

Share This