Fraport testet Einsatz fahrerloser Fahrzeuge

Mehr als sechs Millionen Passagiere, über zwei Millionen Tonnen Fracht und nahezu eine halbe Million Flugbewegungen pro Jahr: Der Frankfurter Flughafen ist eines der weltweit bedeutendsten Luftfahrtdrehkreuze. Der Airport verfügt über insgesamt 14.800 Meter Start- und Landebahnen, die instand und im Winter schnee- und eisfrei gehalten werden müssen. In einem innovativen Pilotprojekt testet Fraport in Kooperation mit der Daimler AG jetzt, wie ein automatisierter Schneeräumeinsatz auf Flughäfen in der Praxis umgesetzt werden kann.
Unter dem Projekttitel „Automated Airfield Ground Maintenance“ (AAGM) werden auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts Pferdsfeld vier Mercedes-Benz Arocs Sattelzugmaschinen eingesetzt, die das Flugfeld automatisiert und im ferngesteuerten Verbund reinigen. Am Frankfurter Flughafen, dessen Betreiber Fraport die Testanforderungen formuliert hat, könnte die Technologie in Zukunft eingesetzt werden. Dort fahren derzeit bis zu 13 Schneeräumfahrzeuge parallel beziehungsweise versetzt nebeneinander, um die 60 bis 70 Meter breiten Runways frei zu räumen. Die Fahrer gehören zu einem Team von rund 900 Mitarbeitern, die am Frankfurter Flughafen im Winterdienst rund um die Uhr einsatzfähig sind. Dieser große personelle und logistische Aufwand könnte mit einem automatisierten Schneeräumeinsatz erheblich erleichtert werden.

Fahrerlose Schneeräumfahrzeuge trotzen widrigen Wetterbedingungen

Während die Fahrer konventioneller Räumeinheiten im Winter häufig widrigen Sichtbedingungen durch Schnee-Aufwirbelungen der Vorausfahrer ausgesetzt sind und unentwegt darauf achten müssen, den Abstand zu den anderen Fahrzeugen im Konvoi exakt einzuhalten, erledigen die fahrerlosen Schneeräumfahrzeuge die Arbeit bei jeder Witterung problemlos, schnell und hochgenau. Die Räumstrecken sind kartographisch vorge­geben und werden durch ein Differenzial-GPS mit einer Toleranz von lediglich drei Zentimetern sowohl vom Führungsfahrzeug als auch von den folgenden Konvoi-Mitgliedern durch permanenten Soll-Ist-Abgleich eingehalten.
Mit einem Acht-Meter-Schneepflug an der Fahrzeugfront wird die Hauptschneemasse bei zügiger Fahrt zur Seite geschoben. Die Feinarbeit der Fahrbahnreinigung übernehmen ein Kehrbesen und ein Gebläse, ein sogenanntes Kehr-Blas-Gerät. Es wird als Sattelauflieger mitgeführt.
„Wir freuen uns, als einer der ersten Flughäfen weltweit mit unserem Know-how an diesem innovativen Projekt mitzuwirken“, sagt Mathias Dudek, Leiter Infrastrukturelles Facility Management der Fraport AG. „Wir erhoffen uns dabei Erkenntnisse, die uns helfen, den zukünftigen Einsatz der Geräte bei einem spontanen Wintereinbruch noch präziser und effizien­ter planen zu können. Unser Engagement unterstreicht einmal mehr die Rolle der Fraport AG als Innovationstreiber in den verschiedensten Berei­chen.“

Test von selbstfahrenden Kleinbussen im Realverkehr

Während der automatisierte Schneeräumeinsatz auf nicht-öffentlichen Arealen erprobt wird, hat Fraport in einem weiteren Pilotprojekt erstmals auch den Einsatz hochautomatisierter Fahrzeuge im Mischverkehr auf einer belebten Straße am Flughafen getestet. Im Oktober 2017 wurden in Kooperation mit der R+V Versicherung AG selbstfahrende und von einem Elektromotor angetriebene Kleinbusse auf dem Betriebsgelände eingesetzt. Mitarbeiter des Flughafenbetreibers konnten die Shuttles beispielsweise dafür nutzen, um mittags in die Kantine zu fahren. Langfristig wäre auch ein Einsatz automatisierter Passagierbusse denkbar.

Das erste Testfeld war eine 1,5 Kilometer lange Strecke, die zwischen Terminal 1 und 2 verläuft. Täglich fahren dort rund 2600 Fahrzeuge – davon fast die Hälfte Lkw. Hinzu kommen innerbetriebliche Fahrzeuge und Transporte, beispielsweise knapp 1000 Frachtschlepper, die pro Tag eine an der Strecke gelegene Schleuse vom und zum Vorfeld passieren. Um die selbstfahrenden Fahrzeuge in möglichst unterschiedlichen Verkehrssituationen zu erproben, will R+V die Shuttlebusse nach dem erfolgreichen Test am Frankfurter Flughafen in den nächsten Monaten auch an anderen Orten erproben. Nach Abschluss des Zulassungsverfahrens sollen sie auf öffentlichen Straßen eingesetzt werden.

Forschungsprojekt zum autonomen Fahren am Flughafen Frankfurt: Mit 4,75 Metern Länge und 2,11 Metern Breite sind die Kleinbusse nicht viel größer als ein durchschnittlicher Transporter, überragen aber mit einer Höhe von 2,75 Metern die meisten dieser Fahrzeuge.
Anke Giesen, Vorstand Operations, Fraport AG
„Mit unserem Forschungsprojekt wollen wir präzise Erkenntnisse zu den Chancen und Risiken autonomer Fahrzeuge gewinnen – und zwar auf Basis eigener Daten“, sagt Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG. „Wir versprechen uns von dieser Technologie insbesondere eine bessere und flexiblere Planbarkeit unserer Prozesse“, ergänzt Anke Giesen, Fraport-Vorstand Operations. „Mit R+V hat sich die Möglichkeit ergeben, ein vorab durch alle Instanzen geschicktes Fahrzeug in dem hochkomplexen Realverkehr unseres Betriebsgeländes zu testen.“

Das Pilotprojekt soll dazu beitragen, offene Fragen auf dem Weg in die Mobilität der Zukunft zu beantworten. Darunter etwa, ob selbstfahrende Autos und konventionelle Fahrzeuge problemlos und sicher gemeinsam auf der gleichen Straße fahren können oder wie hoch die Akzeptanz sowohl bei Mitfahrern als auch bei anderen Verkehrsteilnehmern ist. Erkenntnisse erhoffen sich die Kooperationspartner auch darüber, welche infrastrukturelle Unterstützung autonome Elektrofahrzeuge für einen optimalen Betrieb benötigen und welche interaktiven Möglichkeiten sich für die Betreiber und Nutzer autonomer Fahrzeuge ergeben.

Text von Benjamin Klare
Fotos: Daimler, Fraport
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