Evo statt Neo im Lufthansa Cargo Cool Center

Ob Insulin in die USA oder Impfstoffe für Brasilien: Am Drehkreuz Frankfurt sorgen die Handling-Profis im Lufthansa Cargo Cool Center (LCCC) dafür, dass wärme- oder kältesensible Luftfracht auch am Boden im festgelegten Temperaturbereich bleibt. Der nach Lufthansa-Angaben größte Airline-Hub für temperatursensible Güter in Europa wurde jetzt von 4.500 auf 8.000 Quadratmeter erweitert.

„Vor allem die hervorragende Zusammenarbeit mit zahlreichen Versendern aus der Pharma- und Chemiebranche hat die Nachfrage nach unserem Service stetig wachsen lassen“, begründet Peter Gerber, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Cargo AG, den Ausbau. „Mit ‚LCCC Evo‘ haben wir ein Konzept entwickelt, das eine modulare Modernisierung unseres Cargo Cool Centers ermöglicht. Wir haben dabei nicht nur die Fläche vergrößert, sondern auch die gesamte Infrastruktur verbessert.“

Evo steht dabei für „Evolution“ – wie auch schon beim vergleichbaren Projekt „LCC Evolution“, das die tiefgreifende Umgestaltung des gesamten Lufthansa Cargo Centers (LCC) am Frankfurter Flughafen beinhaltet. Die Pläne für einen vor Jahren angestrebten Neubau des Luftfrachtzentrums, das Projekt „LCC Neo“, sind damit vom Tisch. „Mit dem Evolution-Konzept erfüllen wir die steigenden Anforderungen unserer Kunden und können ihnen außergewöhnliche Dienstleistungen bei deutlich geringeren Stückkosten im Vergleich zu einem Neubau bieten“, rechnet Gerber vor. Basis für den Ausbau bildet eine modulare Architektur mit verschiedenen Segmenten, die schrittweise in die bestehenden Anlagen integriert werden, ohne die täglichen Abfertigungsprozesse zu behindern.

Neben pharmazeutischen Produkten, biotechnologischem Material oder Impfstoffen schlägt Lufthansa Cargo im Frankfurter Luftfrachtzentrum vor allem temperatursensible Hightech-Produkte wie beispielsweise Halbleiter, aber auch Gefahrgüter und hochwertige, zu kühlende Lebensmittel um. Dafür stehen vier unterschiedlich temperierte Kühlräume (15 bis 25°C, 5 bis 15°C, 2 bis 8° und -12 bis -20°C) sowie eine Tiefkühlzelle und ein direkter Zugang auf das Vorfeld zur Verfügung.

Peter Gerber, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Cargo AG

Die Gesamtinvestitionen allein für die Evolution des LCCC belaufen sich nach Angaben Gerbers auf 4,4 Millionen Euro. Neben einer neuen Halle mit eingehausten Rampenbereichen wurde die Annahme und Auslieferung von Luftacht-Kühlcontainern mit einem neuen Fördersystem optimiert und teilautomatisiert. Die Regallagerflächen erweiterte Lufthansa Cargo um dreimal 15 Plätze für aktiv gekühlte Boxen und um zweimal 13 Plätze für Passiveinheiten. Luftschleier und diverse neue Schnelllauftore sorgen jetzt dafür, dass der Einfluss von warmer oder kalter Außenluft auf die Waren so gering wie möglich bleibt.

Doch nicht nur das Heimatdrehkreuz in Frankfurt profitiert von den Investitionen in das Cool Center: „Wir haben einen Cool-Masterplan mit mehreren Elementen entwickelt, um ein internationales Netz zu knüpfen“, berichtet der Lufthansa Cargo-Chef. „Dazu beobachten wir sehr genau, wo weitere wichtige Standorte in der Welt liegen, um die Infrastruktur auszubauen. Wir klären ab, wie die Bedürfnisse der Kunden aussehen und wie sie sich am besten erfüllen lassen. Die Palette der Maßnahmen reicht von neuen Cool-Containern über neue Infrastrukturen bis hin zur Optimierung von Prozessen.“

Das ausgebaute Lufthansa Cargo Cool Center in der interaktiven Übersicht

Mit RFS-Cool auch auf der Straße immer im richtigen Temperaturbereich

Seit wenigen Monaten bietet Lufthansa Cargo seinen Kunden eine neue Buchungsoption an: „Road Feeder Service Cool“ (RFS-Cool). Damit will der Carrier sicherstellen, dass temperatursensible Fracht nicht nur im LCCC und an Bord der Flugzeuge zuverlässig aktiv oder passiv gekühlt oder gewärmt wird, sondern auch auf Straßenverbindungen mit Lufthansa-Flugnummern. Dazu kommen entsprechend ausgestattete Fahrzeuge zum Einsatz. So können Kunden beispielsweise empfindliche Medikamente, die von Lufthansa Cargo nach Frankfurt eingeflogen werden und für den Weitertransport innerhalb Europas bestimmt sind, verbindlich auf den neuen „Road Feeder Service Cool“ gebucht werden. Lufthansa Cargo sorgt dafür, dass die Güter auch auf diesem Abschnitt im festgelegten Temperaturbereich bleiben.

RFS-Cool ist ein Bestandteil des Cool-Masterplans. Dazu gehören weitere Maßnahmen wie beispielsweise der Einsatz einer speziellen, exklusiv für Lufthansa Cargo gefertigten Reflektionsfolie: Ohne Mehrpreis schützt die Airline damit temperaturempfindliche Fracht im Passivkühlsegment auch an heißen Sommertagen vor der unvermeidbaren Sonneneinstrahlung auf den Flughafenvorfeldern in aller Welt.

Hinzu kommt der Einsatz von leistungsstarken thermischen Containern, mit der Lufthansa Cargo die Offensive im Bereich der passiven Kühlfracht weiter fortsetzt. Dazu kooperiert die Airline beispielsweise mit dem Anbieter va-Q-tec, deren Boxen an zahlreichen Stationen zur Verfügung stehen. Nach Angaben von va-Q-tec ermöglichen die thermischen Container eine Temperaturkonstanz von fünf Tagen unter allen realistisch denkbaren Bedingungen. Davon sollen insbesondere Kunden mit pharmazeutischen Gütern profitieren.

So transportiert Lufthansa Cargo temperatursensible Luftfracht

Fraport für Pharma-Expertise im Ramp Handling zertifiziert

Schon seit über 20 Jahren bietet das Ramp Handling der Fraport AG am Standort Frankfurt einen Thermotransporter für temperaturgeführte Sendungen an. Er ermöglicht die Beförderung von Main und Lower Deck-Ladeeinheiten punktgenau im Bereich zwischen -30 und +30°C. Der Transporter ist außerdem mit einem elektronischen Temperaturüberwachungssystem und Tracking-Möglichkeiten ausgestattet. Dieses Ground Equipment wurde jetzt – weltweit erstmalig – in die erfolgreiche CEIV-Pharma-Zertifizierung der Fraport AG durch den Airline-Verband IATA integriert. Auch Lufthansa Cargo ist übrigens als Airline weltweit CEIV-zertifiziert.

Damit ist Frankfurt nach eigenen Angaben weltweit der größte Flughafen mit einem durchgängig zertifizierten Pharmaprozess. Die internationale Klassifizierung CEIV (Center of Excellence for Independent Validators in Pharmaceutical Logistics) bestätigt dazu den zuverlässigen Umgang mit zeitkritischen und temperaturempfindlichen Gütern. Den globalen Standard hat die IATA entwickelt, um Fluggesellschaften, Handling-Unternehmen und Spediteure bei der Einhaltung international gültiger Regeln und Normen für den anspruchsvollen Transport von Pharmagütern zu unterstützen.

2017 wurden am Flughafen Frankfurt mehr als 100.000 Tonnen Impfstoffe, Arzneimittel und weitere Pharmaprodukte umgeschlagen.

Text von Behrend Oldenburg
Fotos, Grafiken und Videos: Lufthansa Cargo

Share This