Einsatz digitaler Technologien bestimmt über wirtschaftlichen Erfolg

Im Jahr 2025 werden Maschinen mehr Arbeitsschritte erledigen als Menschen. Das prognostiziert das Weltwirtschaftsforum in seinem neuen Report „Future of Jobs 2018“. Dem Bericht zufolge könnte die rasante Entwicklung von Maschinen und Algorithmen am Arbeitsplatz 133 Millionen neue Aufgaben entstehen lassen. Gleichzeitig werden bis 2022 durch eine Neuverteilung der Arbeit zwischen Mensch, Maschine und Algorithmen 75 Millionen Funktionen verdrängt.

„Damit Unternehmen im Zeitalter der Maschinen dynamisch, differenziert und wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie in ihr Humankapital investieren. Ohne proaktive Ansätze könnten Unternehmen und Arbeitnehmer das wirtschaftliche Potenzial der Vierten Industriellen Revolution ungenutzt verstreichen lassen“, sagt Saadia Zahidi, die beim Weltwirtschaftsforum das Centre for the New Economy and Society leitet. Der Report zeigt, dass sich sämtliche Branchen im Zuge des digitalen Wandels mit erheblichen Qualifikationsdefiziten der Angestellten auseinandersetzen müssen. Die Luftfahrt-, Reise- und Tourismusindustrie haben dem Report zufolge zwischen 2018 und 2022 den größten Fortbildungs- und Schulungsbedarf. In diesem Zeitraum würden dort neue Technologien in großem Stil Einzug halten, darunter vor allem das Internet der Dinge, App- und webbasierte Marktplätze, Big Data-Analysen, maschinelles Lernen und Cloud Computing.   

„First movers“ im Bereich der Roboterisierung

Adoption among companies by 2022

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Humanoid Robots

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Stationary Robots

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Aerial and Underwater Robots

%

Non-humanoid Land Robots

First movers

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Financial Services and Investors

%

Automotive, Aerospace, Supply Chain

%

Oil and Gas

%

Automotive, Aerospace, Supply Chain

Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens wird also bereits in naher Zukunft davon abhängen, wie schnell es neue Technologien erfolgreich implementieren kann. Zu diesem Schluss kommt auch die Unternehmensberatung PwC, die ermittelt hat, dass die deutsche Wirtschaft allein dank Künstlicher Intelligenz (KI) bis zum Jahr 2030 um mehr als elf Prozent wachsen dürfte. In Summe entspräche das rund 430 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis einer detaillierten Deutschland-Auswertung der globalen PwC-Studie „Sizing the prize. What‘s the real value of AI for your business and how can you capitalise?“ (AI = Artificial Intelligence). Demnach würden neue, innovative und nutzerorientiertere Produkte die Nachfrage ankurbeln und somit nahezu 60 Prozent des KI-bedingten Wirtschaftswachstums ausmachen. Ein weiterer, etwas schwächerer Effekt sind die Effizienzgewinne, die durch KI-Technologien entstehen.

Künstliche Intelligenz hat das Potenzial zum Game Changer

Um die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Produkte und Services verschiedener Branchen zu analysieren, hat PwC in Zusammenarbeit mit Marktvertretern und der Fraunhofer-Gesellschaft den „Artificial Intelligence Impact Index“ entworfen. Basis hierfür war eine Analyse überzeugender Beispiele potenzieller KI-Anwendungen in verschiedenen Branchen. Diese wurden qualitativ durch Markt- und Technologie-Experten bewertet. Mit jeweils 3,7 Punkten auf einer Skala von 1 bis 5 ist demnach der Einfluss auf die Automobilindustrie und die Healthcare-Branche am stärksten. Es folgen die Finanzbranche (3,3) und der Transport- und Logistiksektor (3,2). „Künstliche Intelligenz wird zahlreiche Branchen disruptiv verändern“, sagt Christian Kirschniak, Head of Data & Analytics Advisory PwC Europe. Unternehmen, die sich nicht schnell genug anpassen und die neuen Technologien rasch adaptieren würden, liefen Gefahr, von agileren und innovativeren Konkurrenten überrundet zu werden.

Potentieller Einfluss künstlicher Intelligenz in den folgenden Branchen

PwC’s Impact Index (5 = größter Impact, 1 = kleinster Impact)

Gesundheit 3,7

  • Kurzfristig (0–3 Jahre) 38% 38%
  • Mittelfristig (3–7 Jahre) 23% 23%
  • Langfristig (>7 Jahre) 40% 40%

Automotive 3,7

  • Kurzfristig (0–3 Jahre) 35% 35%
  • Mittelfristig (3–7 Jahre) 47% 47%
  • Langfristig (>7 Jahre) 18% 18%

Finanzdienst­leistungen 3,3

  • Kurzfristig (0–3 Jahre) 41% 41%
  • Mittelfristig (3–7 Jahre) 59% 59%
  • Langfristig (>7 Jahre) 0% 0%

Transport und Logistik 3,2

  • Kurzfristig (0–3 Jahre) 42% 42%
  • Mittelfristig (3–7 Jahre) 42% 42%
  • Langfristig (>7 Jahre) 17% 17%

Technologie, Tele­kommunikation und Unterhaltung 3,1

  • Kurzfristig (0–3 Jahre) 48% 48%
  • Mittelfristig (3–7 Jahre) 36% 36%
  • Langfristig (>7 Jahre) 17% 17%

Handel 3,0

  • Kurzfristig (0–3 Jahre) 54% 54%
  • Mittelfristig (3–7 Jahre) 38% 38%
  • Langfristig (>7 Jahre) 8% 8%

Energie 2,2

  • Kurzfristig (0–3 Jahre) 39% 39%
  • Mittelfristig (3–7 Jahre) 44% 44%
  • Langfristig (>7 Jahre) 17% 17%

Verarbeitendes Gewerbe 2,2

  • Kurzfristig (0–3 Jahre) 14% 14%
  • Mittelfristig (3–7 Jahre) 83% 83%
  • Langfristig (>7 Jahre) 3% 3%

Dass Künstliche Intelligenz nicht nur eine Schlüsseltechnologie, sondern ein Treiber für die wirtschaftliche Entwicklung ist, hat auch die deutsche Bundesregierung erkannt und bereits Eckpunkte für eine nationale Strategie beschlossen. Damit sollen Erforschung, Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland auf ein weltweit führendes Niveau gehoben werden. „Künstliche Intelligenz ist nicht irgendeine Innovation – sie ist eine Basis-Innovation, die unsere Wirtschaft und unser Leben insgesamt verändern und verbessern wird“, erklärt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. „Deshalb wollen wir, dass Anwendungen von Künstlicher Intelligenz auch nicht irgendwo auf der Welt entwickelt und umgesetzt werden, sondern hier bei uns in Deutschland und Europa.“

Bitkom: Etablierte Unternehmen sollten mit Start-ups kooperieren

„Wir begrüßen sehr, dass die Bundesregierung bei Künstlicher Intelligenz einen Schwerpunkt ihrer Technologie- und Wirtschaftspolitik setzen will. Jetzt ist wichtig, dass es schnell geht, zügig Programme entwickelt und dann umgehend von der Politik in die Praxis umgesetzt werden“, sagt Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom. Revolutionäre Technologien wie KI einzusetzen, sei jedoch für viele etablierte Unternehmen nicht einfach. Oft stünden dem über Jahre und Jahrzehnte gewachsene Strukturen entgegen. Kooperationen mit Start-ups könnten dann hilfreich sein. Berg: „Sie bringen innovative Technologien und neue Ideen mit – und können helfen, frischen Wind durch die Unternehmen zu blasen.“ Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage setzen 4 von 10 deutschen Start-ups bereits Künstliche Intelligenz ein. Ohne KI und Datenanalysen sehen 96 Prozent der Start-ups den wirtschaftlichen Erfolg deutscher Unternehmen bedroht. „Neben der Politik sind auch etablierte Unternehmen gut beraten, sich diese Einschätzung zu Herzen zu nehmen“, so der Appell des Bitkom-Präsidenten.

Text von Benjamin Klare
Symbolfoto: Pixabay
Infografiken: Weltwirtschaftsforum, PwC

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