E-Mobilität am Flughafen Frankfurt: Tendenz steigend

Auch wenn die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten weltweit auf Hochtouren laufen: Größere, elektrisch betriebene Verkehrsflugzeuge bleiben noch eine Vision. Auf dem Vorfeld einiger Flughäfen sieht es dagegen bei der E-Mobilität deutlich besser aus. Hier haben sich die lokal emissionsfreien Antriebe längst bewährt.
Beispiel Flughafen Frankfurt: Hier setzt allein der Betreiber Fraport mittlerweile rund 500 elektrisch angetriebene Spezialfahrzeuge in der Flugzeugabfertigung ein. Im Rahmen der Elektromobilitäts-Initiative E-PORT AN, die Fraport mit der Lufthansa Group, dem Bundesland Hessen und der Projektleitstelle Elektromobilität Modellregion Rhein-Main angeschoben hat, verfolgen die Partner das Ziel, Bodenemissionen rund um die komplette Flugzeugabfertigung langfristig deutlich zu reduzieren. Hierzu werden in Einzelvorhaben verschiedene elektromobile Technologien und Verfahren entwickelt, im Alltag erprobt und wissenschaftlich begleitet.

Jüngstes Beispiel sind zwei vom Bundesland Hessen geförderte Elektrobusse des Wiesbadener Flughafenbus-Spezialisten Cobus Industries GmbH, die ab sofort die Passagiere lokal emissionsfrei und besonders leise über das Frankfurter Flughafenvorfeld zu den Maschinen bringen.

Aufbauend auf dem erfolgreich abgeschlossenen Förderprojekt „E-Fleet operated by Fraport“ setzt die Fraport AG ihre Elektrifizierungsstrategie mit der sukzessiven Beschaffung auch neuer Fahrzeuggattungen konsequent fort. Dazu gehören batterieelektrische Fahrgasttreppen, Gepäckschlepper, Containerhubwagen und Bodenstromversorgungsgeräte („Grund Power Units“) für Flugzeuge auf Außenpositionen. In einer Machbarkeitsstudie konnte aufgezeigt werden, dass bis zum Jahr 2030 mehr als die Hälfte des etwa 3000 Fahrzeuge umfassenden Fuhrparks der Fraport AG auf alternative Antriebe umgestellt werden kann. Dabei lassen sich über 20.000 Tonnen CO2-Emissionen vermeiden. Die Elektrifizierung der Flotte ist für Fraport daher ein besonders wichtiges Element zur Erreichung des eigenen Klimaschutzziels, das eine Reduktion der CO2-Emissionen im Jahr 2030 um etwa 65 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 auf 80.000 Tonnen CO2 vorsieht.

Neben ihrer Umweltfreundlichkeit überzeugen die Elektrofahrzeuge besonders bei dem Einsatz auf dem Vorfeld noch durch eine Reihe weiterer Vorteile: So stellen der hier übliche „Stop and Go“-Betrieb sowie die maximal erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern einige klassische Verbrennungsmotoren vor thermische Probleme. Für viele Elektrofahrzeuge liegen die Energie- und Instandhaltungskosten niedriger als für konventionell angetriebene Fahrzeuge. Daher ist die Wirtschaftlichkeit im Produktlebenszyklus bei bestimmten Fahrzeuggattungen, wie etwa den Förderbandwagen, schon heute gegeben. Und nicht zuletzt verbessert die E-Mobilität die Arbeitsbedingungen auf dem Vorfeld spürbar, die Akzeptanz ist daher auch bei den Beschäftigten hoch.

Die Elektroflotte von Fraport am Frankfurter Flughafen

Container-Hubwagen

Förderbandwagen

Kehrmaschinen

Passagiertreppen

Elektroschlepper

Container-Palettentransporter

Plug-in Hybrid-Pkw

Rein batterieelektrische Pkw

Pedelecs

Kleine Elektro-Schlepper

Palettenhubwagen

Elektro-Stapler

E-Wagen für Behindertentransport

Elektro-Kleinbusse

Da die elektrischen Fahrzeuge auf dem Fraport-Gelände immer nur relativ kurze Strecken zurücklegen müssen, ergibt sich auch kein Reichweitenproblem. Die häufigen Standzeiten innerhalb des Betriebsablaufs ermöglicht Zwischenladungen, zumal eine flächendeckende Ladeinfrastruktur schon heute auf dem Flughafen vorhanden ist. Längere Ladezeiten sind spätestens während der Nachtstunden möglich, in denen der Flugbetrieb ruht.

Fraport ist übrigens nicht der einzige Betreiber der so genannten Ground-Support-Equipment-Fahrzeuge mit E-Antrieb an Deutschlands größtem Airport. Die Lufthansa-Tochtergesellschaft LEOS, ein Anbieter von Bodenverkehrsdiensten an deutschen Großflughäfen, setzt hier mittlerweile zwei Elektro-Schlepper ein. Diese sorgen für eine umweltschonende Bewegung von Großraumflugzeugen wie dem Airbus A380 und der Boeing 747 ein. Das jüngste der beiden Modelle ist bereits seit knapp zwei Jahren im Einsatz und wurde von der schwedischen Firma Kalmar Motor AB entwickelt. Der Elektroantrieb mit seinen 700 Kilowatt sorgt für die umweltschonenden Schlepps sowie Pushbacks auch der größten Passagierflugzeuge zu ihren Parkpositionen, in die Werft, ans Gate oder auf den Taxiway. Das maximale Startgewicht der Maschinen beträgt das 15-fache des eigenen Schlepper-Gewichts und liegt bei 600 Tonnen.

Mit dem Einsatz des E-Schleppers lassen sich nach Angaben von Lufthansa LEOS bis zu 75 Prozent der Emissionen im Vergleich zu einem konventionellen, dieselbetriebenen Flugzeugschlepper einsparen. Zudem ist der Geräuschpegel deutlich geringer. Das Fahrzeug verfügt über Allradantrieb und Allradlenkung, so dass es trotz seiner 9,70 Meter Länge und einer Breite von 4,50 Meter auch im teilweise begrenzten Raum der Wartungshangars gut manövrierbar ist. Die Lithium-Ionen-Akkus haben eine Kapazität von 180 Kilowattstunden. Das entspricht in etwa der fünf- bis sechsfachen Kapazität eines handelsüblichen Elektroautos. Im Bedarfsfall können die Akkus auch während des Betriebs mit Hilfe eines integrierten Dieselmotors, dem Range Extender, nachgeladen werden. Das Dieselaggregat erfüllt damit eine absichernde Aufgabe, so dass in jedem Fall die anstehenden Missionen durchgeführt werden können. Der LEOS-Elektro-Schlepper ist übrigens ebenfalls ein Projekt innerhalb der Frankfurter Initiative E-PORT AN.
Text von Behrend Oldenburg
Fotos: Lufthansa LEOS, Fraport
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