E-Commerce-Boom:

Chancen und Herausforderungen für die Luftfrachtbranche

„Heute bestellt, morgen da“: Die Konsumenten von heute sind anspruchsvoller denn je. Sie erwarten Produkte in höchster Qualität zum Bestpreis. Bei möglichst kurzen Lieferzeiten. Ausgelöst haben diesen Trend rasant wachsende Online-Plattformen wie Amazon, die den gesamten Welthandel – und damit auch die Logistik-Branche – in den kommenden Jahren weiterhin kräftig umkrempeln werden.

Allein in den USA erzielte der E-Commerce-Handel in den letzten 15 Jahren einen durchschnittlichen Zuwachs von 15 Prozent per annum. Das Gesamtvolumen betrug 2015 bereits 342 Milliarden US-Dollar. China ist mit einem Umsatz von 590 Milliarden US-Dollar und Global Playern wie Alibaba der stärkste Markt für den Handel über das Internet.

E-Commerce-Giganten rüsten auf

Tatsächlich treiben Amazon im Westen und Alibaba im Osten die Logistikbranche derzeit mit einem rasanten Innovationsfeuerwerk vor sich her: Mit der Gründung von Prime Air sowie zukunftsträchtigen Deals mit der Air Transport Services Group (ATSG) und Atlas Air verbessert Amazon zugleich seine Marktposition und seine logistische Leistungskraft: Sowohl ATSG als auch Atlas Air stellen dem E-Commerce-Riesen jeweils 20 B767-Frachtflugzeuge bereit.

Zudem hält Amazon in den USA weiter an der Idee der Last-Mile-Paketauslieferung durch Drohnen fest. Das Unternehmen hat sich nun eine Technologie für mobile Drohnenstationen als Warenlager und Service-Points zum Aufladen, Reparieren und Austauschen der Drohnenakkus patentieren lassen.

Mobile Drohnenstationen als Warenlager sind eine von Amazons Visionen für die Zukunft des E-Commerce.

Auch der chinesische E-Commerce-Marktführer Alibaba investiert kräftig in den Ausbau seiner Logistikstruktur – mit einer Minderheitsbeteiligung an YTO Express, einem der wichtigsten Logistik-Unternehmen Chinas. YTO Express ist dabei eines von insgesamt 14 Unternehmen, die eng mit Alibabas Logistik-Tochter Cainiao zusammenarbeiten, um mit dem globalen Wachstum des E-Commerce-Handels Schritt halten und die passenden Logistik-Lösungen entwickeln zu können.

IATA erkennt Handlungsbedarf

E-Commerce und Omnichannel-Handel bieten auch für Airlines enorme Chancen, erfordern aber, alte Strukturen über Bord zu werfen und neue Antworten auf die Bedürfnisse aller Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette zu finden.

In einem Strategiepapier vom Juli 2017 konstatiert die International Air Transport Association (IATA) die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Luftfrachtbranche, um selbst vom veränderten Marktumfeld profitieren zu können – etwa mit schnellen, pünktlichen Lieferungen über alle Ländergrenzen hinweg und End-to-End-Track & Trace-Technologien.

KLM Cargo hat bereits mit einer innovativen Sortierlösung reagiert, um das durch den E-Commerce-Boom stark erhöhte Paketaufkommen zu meistern. Das am Flughafen Schiphol eingesetzte System bewältigt pro Stunde mehr als 2.000 Sendungen und erlaubt so die schnellere Abwicklung aller Post-, Express- und Pharma-Transporte.

Laut IATA bearbeiten Kenya Airways und Flydubai heute schon 100 Prozent aller Luftfrachtbriefe elektronisch und beschleunigen so die Abfertigung. Cathay Pacific (80,5 %) und Delta Air Lines (74,7 %) sind hier ebenfalls auf einem guten Weg (Stand: April 2017).

JD.com, der umsatzstärkste E-Commerce-Anbieter Chinas, hat eine strategische Partnerschaft mit China Eastern Airlines geschlossen, um die Effizienz seiner Logistikdienste im eigenen Land und international zu optimieren. Beide Unternehmen teilen sich hierfür Ressourcen an ihren Stationen und beziehen ihre jeweiligen Luftfracht-Logistiknetzwerke mit ein.

Auch an die Endkunden wird gedacht: CHAMP Cargosystems ermöglicht es Verbrauchern, mit einfachen Sprachbefehlen über Amazons Dienst Alexa den Status ihrer Bestellung abzurufen. Das System integriert CHAMPs TRAXON Track & Trace-Service, an den heute bereits zahlreiche Airlines wie Lufthansa Cargo, American Airlines Cargo und Cathay Pacific Cargo angeschlossen sind.

Text von Bernd Maresch
Fotos: Rbarta24 (Wikimedia Commons), Amazon, Paul Ridderhof

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