Der Radarschirm geht online

Der Hamburger Flughafen hat im August 2019 als erster Airport weltweit ein neues, webbasiertes Radardisplay in Betrieb genommen. Es liefert Informationen über den Luftraum und das Vorfeldgeschehen in Echtzeit auf mobilen Endgeräten und kommt in Hamburg in den Fahrzeugen der Vorfeldkontrolle zum Einsatz.

Mit dem System PHOENIX Webinnovation hat die DFS Aviation Services ihr bestehendes und auch in Hamburg bewährtes PHOENIX System weiterentwickelt. DFS Aviation Services ist eine Tochtergesellschaft der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH und vermarktet flugsicherungsnahe Produkte und Dienstleistungen und ist außerdem für die Kontrolle des Luftverkehrs an vielen Regionalflughäfen in Deutschland zuständig.

PHOENIX Webinnovation wurde am Hamburg Airport eingeführt, um den Kontrollwagenfahrern zusätzlich zur akustischen Darstellung – Mithören der Funkfrequenzen von Tower und Piloten – auch eine optische Darstellung der Luftfahrzeuge als zusätzliche Unterstützung zur Verfügung zu stellen, erläutert Christian Schultz, Manager Operational Services am Flughafen Hamburg. Die webbasierte Luftlagedarstellung bildet dadurch eine ideale Ergänzung des bestehenden Phoenix Systems der DFS Deutschen Flugsicherung, das am Hamburg Airport in der Vorfeldkontrolle sowie in der Verkehrsleitzentrale seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird. Abstände und Distanzen von Flugzeugen können so optisch nachverfolgt werden, was besonders bei Schlechtwetterlagen von Vorteil ist.

Positives Feedback von den Anwendern

Den Anstoß zur Entwicklung von PHOENIX Webinnovation gab zum einen die Flughafen Hamburg GmbH selbst, aber auch die DFS Aviation Services arbeitete schon an einer Modernisierung des Systems. Das neue System läuft über Webbrowser und kann in einer Cloud betrieben werden. Schon in der Entwicklungsphase kam mit dem Flughafen Schwäbisch Hall ein weiterer Betreiber hinzu, der seine Wünsche und Ideen mit einbrachte. Dort ging PHOENIX Webinnovation im September 2019 in Betrieb. Ein Team aus Experten der Flugsicherung, Systementwicklern, einem Designer sowie Mitarbeitern der beteiligten Flughäfen hat für PHOENIX Webinnovation ein modernes, einfach und intuitiv zu bedienendes Design entwickelt. Die Teilnehmer haben sich zudem in Workshops mit Lotsen der DFS Deutsche Flugsicherung und der DFS Aviation Services ausgetauscht.

Das kommt bei den Anwendern äußerst gut an – ein gutes halbes Jahr nach dem Start an beiden Flughäfen erhält DFS Aviation Services ein durchweg positives Feedback von den Mitarbeitern, die tagtäglich mit dem System umgehen. Der Trainingsaufwand ist gering, das System läuft zuverlässig und ohne Ausfälle, und teilweise konnten aufgrund des Feedbacks der Anwender schon neue Funktionen implementiert werden.

Inzwischen hat DFS Aviation Services weitere Anfragen von Kunden aus dem Bereichen Airports, Ground Handlung sowie Einsatzkräften vorliegen – denn PHOENIX Webinnovation ist dank seiner hohen Flexibilität an jedem Flughafen, aber auch bei anderen luftfahrtrelevanten Kunden einsetzbar. Inzwischen ist das System dahingehend weiterentwickelt worden, dass auch Bodenlage, Drohnenflüge und weitere luftverkehrsrelevante Daten dargestellt werden können. In Planung ist darüber hinaus ein vollständig cloudbasiertes Produkt („Software as a Service“), was keinerlei Hardwareinstallation beim Kunden mehr erfordert. Damit ist eine Darstellung auf nahezu jedem Endgerät (Laptop, Tablet, PC) per Webbrowser möglich.

Viele Einsatz­möglichkeiten in allen Bereichen des Luftverkehrs

Mit PHOENIX Webinnovation gibt DFS Aviation Services jedem Systemteilnehmer im Luftverkehr die Möglichkeit, eine Luft- und/oder Bodenlagedarstellung sowie zusätzliche Informationen zu erhalten und damit die Prozessabläufe und die Sicherheit zu verbessern. Die Größe des Flughafens oder die Anzahl der Starts und Landungen spielt dabei keine Rolle – wie die Erstkunden zeigen: Hamburg ist mit 17 Millionen Passagieren pro Jahr der fünftgrößte Flughafen Deutschlands, der Flughafen Schwäbisch Hall ist ein Regional-Airport, der aus einem Militärflughafen entstand.

In Hamburg profitieren die Vorfeldfahrer von den gelieferten Informationen über die Start- und Landezeiten in Echtzeit, die ihnen nun in ihren Fahrzeugen in gleicher Weise zur Verfügung stehen wie den Kollegen in den Kontrollzentren. Die Fahrer können damit ihre Fahrten besser koordinieren und planen. In Schwäbisch Hall kommt PHOENIX Webinnovation im Tower zur Luftlagedarstellung zum Einsatz. Damit wird nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern die Tower-Besatzung kann aufgrund der präzisen Darstellung die Anflüge so steuern, dass die Fluglärmbelastung für die anliegenden Gemeinden so gering wie möglich gehalten werden kann.

Text von Corinna Panek
Fotos: HAM Airport/Michael Penner, DFS
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