Cyberkriminalität bedroht internationale Transportketten

Der Transport- und Logistiksektor gerät immer stärker ins Visier von Cyberkriminellen. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Prozesse bei Verladern, Spediteuren, Transportunternehmen und Infrastrukturbetreibern wachsen die Gefahren von Datenmissbrauch und -diebstahl.

Cyberkriminalität bedroht internationale Transportketten

Der Transport- und Logistiksektor gerät immer stärker ins Visier von Cyberkriminellen. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Prozesse bei Verladern, Spediteuren, Transportunternehmen und Infrastrukturbetreibern wachsen die Gefahren von Datenmissbrauch und -diebstahl. Der weltweiten Logistikbranche drohen bereits 2020 rund sechs Milliarden Euro an Schäden durch Cyberkriminalität, warnen die Berater von Oliver Wyman jetzt in einer aktuellen Analyse. Allein in Deutschland könne sich der Schaden auf 450 Millionen Euro belaufen.

Der weltweiten Logistikbranche drohen bereits 2020 rund sechs Milliarden Euro an Schäden durch Cyberkriminalität, warnen die Berater von Oliver Wyman jetzt in einer aktuellen Analyse. Allein in Deutschland könne sich der Schaden auf 450 Millionen Euro belaufen.
Direkte Kosten von Cyberangriffen weltweit und in Deutschland 2017 vs 2020, in Milliarden Euro.
Weltweit
  • 3,0 Milliarden Euro in 2017
  • 6,0 Milliarden Euro in 2020
Deutschland
  • 0,2 Milliarden Euro in 2017
  • 0,45 Milliarden Euro in 2020

%

Wachstum pro Jahr

Berücksichtigt keine Indirekten Kosten wie Reputationsschäden und IP-Verlust. Umfasst Frachttransport, Infrastruktur und letzte Meile (kein Personentransport) Quelle: Oliver Wyman-Analyse
Viele Schnittstellen, zahlreiche beteiligte Unternehmen: Die Transportketten der Logistik bieten vielfältige Angriffspunkte für illegale Zugriffe. So können beispielsweise Kunden- und Mitarbeiterdaten gehackt, Sicherheits- und Kontrolleinrichtungen von Lagern überwunden oder Lieferdrohnen „entführt“ werden. „Gezielte Attacken sind eine deutlich größere Gefahr für Transport- und Logistikanbieter als etwa die auf Erpressungssoftware basierende Wannacry-Attacke im Mai diesen Jahres“, sagt Max-Alexander Borreck, Principal bei Oliver Wyman. Gefahr drohe nicht nur durch spezialisierte Hacker, sondern auch durch das Darknet: Dort könnten Kriminelle, die selbst über keine tiefer gehenden Programmierkenntnisse verfügen, komplette Softwarepakete mit Schadsoftware erwerben oder eine Cyberattacke als Dienstleistung buchen.
Doch nicht nur das Internet stellt für Unternehmen einen Risikofaktor dar – auch Mitarbeiter können bestochen oder ihre Unwissenheit ausgenutzt werden, um Zugang zu Firmennetzwerken zu erhalten. Zusätzlich zu technischen Vorkehrungen müsse durch spezielle Trainings ein Sicherheitsbewusstsein in der Belegschaft geschaffen und konkrete Pläne für den Notfall ausgearbeitet werden.

Cybersicherheit: Das Risiko zu einer Chance machen

Branchenführer der Logistik haben inzwischen damit begonnen, sich auf Cyber-Bedrohungsszenarien einzustellen. Wer Cybersicherheit zu einem Teil seines Angebotsportfolios mache, könne sich vom Wettbewerb abheben und das Risiko zu einer Chance machen, so die Berater von Oliver Wyman. Eine Umfrage des Luftfahrt-IT- und Telekommunikationsdienstleister SITA (Société Internationale de Télécommunication Aéronautique) ergab, dass auch 91 Prozent der Fluggesellschaften kurzfristig in Cybersicherheitsprogramme investieren wollen.

Text von Benjamin Klare
Symbolfoto: Pixabay
Share This