CairGoLution macht die Luftfracht sicher

Sendungen werden unautorisiert geöffnet, Gefahrstoffe unerlaubt eingebracht, ja sogar ganze Transportcontainer gestohlen: Leider kommt es auch in der Luftfahrt immer wieder zu Zwischenfällen dieser Art.

Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS (Fraunhofer SCS) in Nürnberg schätzt, dass der Branche allein durch Verlust oder Beschädigungen von Unit Load Devices (ULDs) jährlich ein Schaden von rund 270 Millionen Euro entsteht. „Wenn die Waren- und Ladungsträger in der Luftfracht-Logistikkette weltweit durchgängig überwacht werden könnten, wäre eine wesentliche Voraussetzung für einen sicheren Transport vom Versender bis zum Empfänger gewährleistet“, sagt Tobias Seidler. Er ist innerhalb der Fraunhofer SCS-Arbeitsgruppe Leiter des Projekts CairGoLution, an dem sich neben anderen Unternehmen auch der Logistikdienstleister DHL Express und der Telematikspezialist Telic aus Oberhaching bei München beteiligt haben. Entsprechendes Ziel des Projektes war die Umsetzung eines Kontrollsystems, das Integritätsverletzungen von ULDs erkennt und im Bedarfsfall an eine Zentrale meldet. „Durch die Kombination unserer bewährten Tracking-Systeme mit einer vom Fraunhofer-Institut entwickelten Vernetzungstechnologie können wir jetzt eine sichere Überwachung und Lokalisierung der Luftfracht gewährleisten“, erklärt Andreas Kirst, Leiter Projektvertrieb bei Telic.

Erfolgreicher Probebetrieb: Ein mit CairGoLution-Komponenten bestückter Luftfrachtcontainer absolvierte im Januar 2017 seinen Jungfernflug. Jetzt ist das System serienreif.

Ein Monitoring-System erkennt mit Hilfe von Sensoren zuverlässig unautorisierte Zugriffe auf die Inhalte von ULDs und sendet dann in Echtzeit eine Alarmmeldung an die Verantwortlichen der Sendung und die jeweiligen Behörden.

Ein erster Testflug im Januar 2017 mit einem CairGoLution-ULD vom DHL-Hub in Leipzig nach Bergamo in Italien und zurück zeigte, dass die Technik zuverlässig funktioniert. Denn die Tücke liegt im Vergleich mit der Überwachung von Containern im See- oder Landverkehr im Detail, erläutert Kirst: „Die Luftfracht hört nicht zu, wenn der Flugkapitän die Passagiere vor dem Start um das Ausschalten der Handys bittet. Wir müssen also mit intelligenter Technik dafür sorgen, dass die Datenübertragung während des Fluges automatisch unterbleibt.“ Zudem waren eine ganze Reihe von Vorschriften der IATA zu erfüllen – „die letzte Entscheidung, ob CairGoLution an Bord darf, treffen jedoch die Airlines“, betont Kirst. Denn bei dem einen Probeflug soll es natürlich nicht bleiben: „Wenn wir auf fünfstellige Stückzahlen für die Sensortechnik kommen, werden die einmaligen Kosten pro System im unteren dreistelligen Eurobereich liegen“, rechnet Kirst vor. Ein überschaubarer Betrag für die langfristige Sicherheit der wertvollen Ladung in den ULDs.

Das CairGoLution-Sendemodul gewinnt Strom auch aus geringen Lichtquellen und verfügt über alle nötigen luftfahrttechnischen Zulassungen.

Text von Behrend Oldenburg
Fotos: Frank Steinert/DHL Express

Share This