Blockchain: Neue Technologie mit riesigem Potenzial für Handel und Logistik

„Blockchains sind fälschungssichere, verteilte Datenstrukturen, in denen Transaktionen in der Zeitfolge protokolliert, nachvollziehbar, unveränderlich und ohne zentrale Instanz abgebildet sind. Mit der Blockchain-Technologie lassen sich Eigentumsverhältnisse direkter und effizienter als bislang sichern und regeln, da eine lückenlose und unveränderliche Datenaufzeichnung hierfür die Grundlage schafft.“

QUELLE: BUNDESANSTALT FÜR FINANZDIENSTLEISTUNGSAUFSICHT (BaFin)

Die Blockchain ist der vielleicht größte, aktuelle Hype in der digitalen Welt. Kaum eine Branche, die das neue Buzzword nicht für sich entdeckt hat – und sich in oft rätselhaften Definitionen versucht. Dass ausgerechnet der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine durchaus verständliche Erklärung gelingt, hat einen Grund: Die Datentechnologie kann vor allem die Finanzwelt revolutionieren. Möglicherweise macht sie schon in wenigen Jahren den Zahlungsverkehr, die Vergabe von Krediten oder den Wertpapierhandel nicht nur schneller und günstiger, sondern auch die Banken überflüssig.

Eine Blockchain ist aufgebaut wie eine riesige Datenbank, die nicht an eine konkrete Hardware gebunden ist, sondern deren Netzwerkprotokolle dezentral auf vielen verschiedenen Computern verteilt sind und dadurch nach Ansicht von Experten nicht mehr gehackt werden können. Als neutrales Dokumentationssystem für überwiegend sensible Informationen ist das Einsatzpotenzial der Blockchain in vielen Feldern der Wirtschaft immens: „So könnte sie etwa die Transparenz in der Flugzeugwartung erhöhen“, sagt Patrick Götze, Director Sales New Business bei Lufthansa Industry Solutions. „Innerhalb einer Blockchain kann eine Information jederzeit nachvollzogen werden. Das bringt besonders dann Vorteile, wenn verschiedene Unternehmen zusammenarbeiten und die gleichen Daten nutzen, wie beispielsweise beim Einbau von Ersatzteilen in der Flugzeugwartung.“

Die Verifizierung von Originalteilen für die Flugzeugwartung ist eines der vielfältigen Einsatzfelder der neuen Technologie. So könnten Ersatzteile nach ihrer Herstellung mit allen relevanten Informationen in einer Blockchain registriert werden. Wird das Teil in ein Flugzeug eingebaut, werden diese Daten in einer weiteren Blockchain gespeichert. Ebenso werden alle späteren Reparaturen an diesem Bauteil wiederum in einer separaten Blockchain gespeichert. So entsteht eine lückenlose und nicht mehr manipulierbare Dokumentation über verschiedene Unternehmen hinweg.

Bernhard Kube,
Vice President Technology Consulting,
Lufthansa Industry Solutions

Wie groß das Potenzial der Blockchain-Technologie wirklich ist, will Lufthansa Industry Solutions jetzt mit einem eigenen Labor herausfinden. Seit September 2017 verfügt der IT-Dienstleister aus Norderstedt bei Hamburg über ein „Blockchain Lab“. Hier erprobt das Unternehmen zusammen mit anderen Experten und Institutionen die neue Technologie und ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. „Unser ‚Blockchain Lab‘ ist der Ort zum Entwickeln, Ausprobieren und Testen von neuen Prozessen und Einsatzmöglichkeiten rund um die Blockchain-Technologie“, erläutert Bernhard Kube. Der Vice President Technology Consulting bei Lufthansa Industry Solutions ist sich sicher: „Ein derartiges Labor ist bei solchen komplexen Themen der Schlüssel zum Erfolg, denn hier können sich Unternehmen mithilfe unserer Experten ganz konkreten Fragestellungen widmen und das Potenzial der Blockchain für den eigenen Geschäftserfolg ausloten.“

Neben der Verifizierung von Originalteilen für die Flugzeugwartung ist das sichere Tracken wertvoller Güter, wie beispielsweise frischer Lebensmittel, eine weitere denkbare Anwendungsmöglichkeit der Blockchain im Air Cargo-Business. Das hat auch der IT-Dienstleister IBM erkannt und jüngst mit einer Vielzahl internationaler Unternehmen aus der Lebensmittelbranche eine Blockchain-Kooperation gegründet. Mitglieder sind Dole, Driscoll’s, Golden State Foods, Kroger, McCormick and Company, Nestlé, McLane Company, Tyson Foods, Unilever und Walmart. Das gemeinsame Ziel lautet, die Sicherheit von Lebensmitteln über die gesamte Supply Chain hinweg deutlich zu erhöhen. Nach Angaben von IBM würden viele Probleme rund um die Lebensmittelsicherheit, wie beispielsweise durch Verunreinigung, durch den fehlenden Zugang zu Informationen und schlechte Rückverfolgbarkeit verstärkt. So könne es heute Wochen dauern, etwa die genauen Ursachen einer Verunreinigung ausfindig zu machen.

„Die Blockchain-Technologie verändert die Art und Weise, wie gleichgesinnte Organisationen zusammenarbeiten können“, ist Marie Wieck, IBM General Manager Blockchain, überzeugt: „Weil dann alle Beteiligten die exakt gleiche Sicht auf die Dinge erhalten, also eine ‚single View of the Truth‘, steigt das gegenseitige Vertrauen enorm.“

Die Anwendung der Blockchain-Technologie ergibt überall dort Sinn, wo Transparenz und Nachvollziehbarkeit erforderlich sind. Ein besonders interessantes Einsatzfeld ist die Lebensmittelsicherheit. Mit Hilfe der Blockchain soll das Vertrauen der Verbraucher gestärkt werden, denn vom Anbau über den Transport bis in die Supermarktregale werden künftig neutrale, verlässliche Informationen über die Herkunft und den Zustand von Lebensmitteln durchgängig abrufbar sein.

Text von Behrend Oldenburg
Fotos: Fotolia/Elnur, Lufthansa

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