AVIATAR: Innovatives MRO-Management per App

Auf einer digitalen Weltkarte bringt AVIATAR von Lufthansa Technik Reparaturereignisse bei Flugzeugen in Echtzeit auf den Schirm. Fast zwei Jahren nach der Markteinführung sind zehn Partner und Kunden sowie mehr als 1000 Flugzeuge auf der integrierten Internet-Plattform für digitale Maintenance-, Repair- und Overhaul-Produkte sowie -Dienstleistungen (MRO) registriert. Den Nutzern stehen inzwischen fast 20 Apps zur Verfügung.
Die digitale Transformation im Unternehmen vorantreiben, Synergien schaffen und die Effizienz steigern – das ist die Vorgabe für den 2017 neu geschaffenen Geschäftsbereich „Digital Fleet Solutions“ der Lufthansa Technik AG. Das Ziel: Für die rasant wachsende Datenmenge im Luftverkehr gewappnet sein. Bis 2025 rechnet das Unternehmen mit einer Verdoppelung der Flugzeuganzahl. Noch im April des Jahres 2017 stellte der Bereich auf der MRO Americas in Orlando die erste Entwicklung vor: AVIATAR, eine offene Internet-Plattform für digitale MRO-Produkte sowie -Dienstleistungen für die Luftfahrtindustrie. AVIATAR-Kunden haben ihre Flotte auf einer digitalen Weltkarte in Echtzeit im Blick. Leuchtet eine Maschine rot, steht ein Ereignis bevor – eine Reparatur, eine Wartung oder Überholung. Ein Klick auf die Maschine bringt alle gewünschten Daten ins Bild.

Herstellerübergreifend sowie unabhängig vom eigenen Unternehmen und MRO-Dienstleistungsverträgen startete AVIATAR mit sieben Apps. Inzwischen haben sich die Anwendungen fast verdreifacht. Fluggesellschaften, Komponentenhersteller, Wartungsbetriebe und Leasing-Unternehmen können über die Plattform ihren Flottenbetrieb managen, Fehler im Flugzeug und einzelner Komponenten analysieren und ggf. prognostizieren sowie Informationen schnittstellenübergreifend austauschen. Auf AVIATAR stehen ihnen dafür einzelne Applikationen und Produkte oder die gewünschte App-Kombination zur Verfügung. „Die Komplexität der heutigen digitalisierten Flugzeuge und ihrer Umgebung ist so hoch, dass wir uns für einen ganzheitlichen Ansatz zur digitalen Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Luftfahrtindustrie entschieden haben“, sagt Dr. Johannes Bußmann, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Technik.

AVIATAR Apps und ihre Anwendungen

AVIATAR Apps liefern Basisinformationen für das Flottenmanagement und die Leistungsüberwachung der Flugzeuge – dazu zählen unter anderem fehlerhafte Komponenten, Hinweise auf einen notwendigen Teiletausch oder bevorstehende Wartungsereignisse. Per App können Kunden ihre Flotte überwachen, Daten erfassen und analysieren sowie Wartungsprognosen erstellen. AVIATAR unterstützt bei der Suche nach Angeboten von Test-, Reparatur- und Überholungsdiensten für spezifische Flugzeugteile-Nummern und hilft, sie zu vergleichen. Auch der Materialbestand lässt sich damit einfacher verwalten. Weitere Apps erleichtern und harmonisieren Ausschreibungsprozesse für Flugzeugüberholungen oder verbessern die Kommunikation zwischen MRO und der beauftragenden Airline während der Überholung. Die App „ToolNOW“ ist laut Lufthansa Technik die erste Online-Vermittlungsplattform für den Verleih von Werkzeugen. „APU Health Management“ analysiert die Auxiliary Power Unit, die jüngste App „Engine Health Management“ die Triebwerke.
Über einen „digitalen Zwilling“, ein Computermodell eines physischen Triebwerks, ermitteln Lufthansa Technik-Ingenieure die Ursache für spezifische Abweichungen und empfehlen Maßnahmen zur Wartung und Fehlerbehebung.

Plattformmodell für vernetzte Zusammenarbeit

Je mehr Kunden mit AVIATAR arbeiten, desto höher ist die Aussagekraft der „Reliability Benchmarking“-App. Über sie haben Flugzeugbetreiber die Möglichkeit, ihre technische Zuverlässigkeit abzugleichen. Dafür wertet die App ihre bei AVIATAR hinterlegten Daten anonym aus und erstellt einen zusammengefassten Überblick im detaillierten Vergleich mit anderen Airlines. „Wir haben ein Plattformmodell entwickelt, das durch das Zusammenspiel aller Beteiligten einen Mehrwert schafft“, sagt Frank Martens, Senior Director Sales, Digital Fleet Solutions. „Die Anwendungen, von denen einige in einem Co-Creation-Prozess mit Airline-Kunden entwickelt werden, eröffnen neue Wege der Zusammenarbeit.“
Text von Marion Frahm Fotos: Lufthansa Technik